St. Anna bei Pořejov, deutsch Purschau, liegt im Bezirk Tachov im Westen Tschechiens. Über den Resten der ehemaligen Ortschaft erhebt sich die Ruine einer einst bedeutenden Wallfahrtskirche. Gemeinsam mit dem angrenzenden historischen Friedhof bildet sie heute einen außergewöhnlichen Lost Place im Český les.
Zwischen überwucherten Mauern, alten Grabsteinen und offenen Fensteröffnungen ist die Geschichte des Ortes noch deutlich spürbar. Die Kirchenruine erinnert dabei nicht nur an ein einst religiös bedeutendes Bauwerk, sondern auch an die verschwundene deutschsprachige Siedlung Pořejov.
Quellen: Archaeological Atlas of Bohemia – Pořejov | Zničené kostely – Kostel sv. Anny in Pořejov
Am Standort der heutigen Kirchenruine befand sich ursprünglich eine hölzerne Kapelle, die erstmals im Jahr 1658 erwähnt wurde. Zwischen 1660 und 1663 ließ Veronika Kateřina Alsterlová z Alstfeldu an dieser Stelle eine steinerne, frühbarocke Kirche errichten. Der Bau entstand als Dank für ihre Genesung und wurde im Jahr 1673 geweiht.
Zwischen 1719 und 1728 wurde die Kirche erweitert. An den nördlichen und südlichen Seiten des Presbyteriums entstanden zusätzliche Kapellen. Damit entwickelte sich St. Anna zu einem bedeutenden religiösen Ort für die umliegenden Gemeinden.
Im Zuge der Josephinischen Kirchenreformen wurde die Wallfahrtskirche im Jahr 1786 aufgehoben. Der Bau begann anschließend zu verfallen. Durch gemeinsame Anstrengungen der Gemeinden Pořejov, Bažantov und Žebráky wurde die Kirche ab 1808 wiederhergestellt und 1811 erneut für Gottesdienste geöffnet.
Quellen: Zničené kostely – Kostel sv. Anny in Pořejov | Kudy z nudy – Ruine der St.-Anna-Kirche in Pořejov
Die wechselvolle Geschichte der Kirche setzte sich auch nach ihrer Wiedereröffnung fort. Im Jahr 1809 wurde das Gebäude durch einen Blitzschlag beschädigt und brannte aus. Anschließend erfolgte eine erneute Instandsetzung. Ein weiterer Brand beschädigte die Kirche im Jahr 1883.
Nach 1948 begann der endgültige Niedergang. Die Innenausstattung wurde größtenteils zerstört oder entwendet. Das wertvolle lebensgroße Figurenensemble des Letzten Abendmahls konnte jedoch gerettet werden und befindet sich heute im Museum des Böhmischen Waldes in Tachov.
Der kleine Glockenturm der Kirche wurde bis in die 1980er-Jahre von der tschechoslowakischen Grenzwache als Beobachtungsposten genutzt. Heute sind vom ursprünglichen Bau vor allem die Außenmauern, einzelne Ziegelbögen und Reste des Dachstuhls erhalten.
Quellen: Zničené kostely – Kostel sv. Anny in Pořejov | Kudy z nudy – Ruine der St.-Anna-Kirche in Pořejov
Rund um die Kirchenruine liegt der ehemalige Friedhof von St. Anna. Zwischen alten Bäumen, Moos und dichtem Bewuchs finden sich zahlreiche verwitterte, schiefe und teilweise zerbrochene Grabmale. Einige Grabsteine tragen noch deutsche Inschriften oder ovale Porträtmedaillons.
Im Jahr 1933 wurden vierzehn bronzene Stationen eines Kreuzwegs in die Friedhofsmauer eingelassen. Die Kunstwerke stammten vom Tachauer Bildhauer Josef Dobner. Von den ursprünglichen Bronzetafeln sind heute nur noch beschädigte und leere steinerne Rahmen vorhanden.
Der Friedhof macht die Geschichte von Pořejov besonders eindrucksvoll sichtbar. Während die Kirche langsam von der Natur zurückerobert wird, erinnern die Grabsteine an die Menschen, die einst in dieser heute verschwundenen Ortschaft lebten.
Quellen: Archaeological Atlas of Bohemia – Pořejov | Kudy z nudy – Ruine der St.-Anna-Kirche in Pořejov
Heute befindet sich St. Anna in einem äußerst schlechten baulichen Zustand. Große Teile des Daches, des Dachstuhls und der Decken sind eingestürzt. Auch das Gewölbe des Presbyteriums brach im Jahr 2000 zusammen. Das Mauerwerk und der Putz sind stark beschädigt, Fenster und Türen fehlen. Im Inneren liegen Trümmer und eingestürzte Bauteile.
Auch der historische Friedhof ist von Verfall und Bewuchs geprägt. Viele Grabsteine stehen schief oder liegen zwischen Laub und Pflanzen. Ein Warnschild an der Kirchenruine weist auf die gefährliche Bausubstanz hin. Aufgrund der Einsturzgefahr ist das Betreten nicht sicher und sollte unbedingt unterlassen werden.
Quellen: Zničené kostely – Kostel sv. Anny in Pořejov | Kudy z nudy – Ruine der St.-Anna-Kirche in Pořejov
Im Jahr 2026 habe ich die Ruine der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Anna bei Pořejov und den angrenzenden historischen Friedhof fotografisch dokumentiert. Bereits von außen wird deutlich, wie stark die Natur das Bauwerk zurückerobert. Durch die offenen Fenster fällt Licht in die überwucherten Innenräume, während Bäume und Sträucher zwischen den alten Mauern wachsen.
Besonders eindrucksvoll fand ich den Friedhof rund um die Kirche. Viele Grabmale sind verwittert, beschädigt oder umgestürzt. Deutsche Inschriften, Porträtmedaillons und die teils kunstvollen Grabsteinaufsätze erinnern an die Menschen, die hier einst bestattet wurden. St. Anna bei Pořejov ist dadurch weit mehr als eine Kirchenruine – es ist ein stiller Erinnerungsort an eine verschwundene Ortschaft und ihre Bewohner.
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