Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Wiedemann-Sanatorium Ambach: Die verlassene Promi-Klinik

Am Ostufer des Starnberger Sees befand sich mit dem Wiedemann-Sanatorium in Ambach eine der bekanntesten deutschen Privatkliniken der Nachkriegszeit. Schauspieler, Politiker und andere prominente Gäste kamen hierher, um sich behandeln und erholen zu lassen.

Nach dem wirtschaftlichen Niedergang entwickelte sich die frühere Kurklinik zu einer verlassenen Geisterklinik. Als ich das Anwesen im Jahr 2014 fotografierte, waren noch zahlreiche Spuren des Klinikbetriebs vorhanden. Später wurden große Teile der Anlage abgerissen.

Die Anfänge des Wiedemann-Sanatoriums

Der Arzt und Schriftsteller Fritz Wiedemann richtete nach dem Zweiten Weltkrieg im sogenannten Waldschlössl seiner Eltern eine kleine Praxis ein. Im Jahr 1952 begann daraus die Entwicklung des späteren Sanatoriums.

Wiedemann beschäftigte sich mit Verfahren, die den Alterungsprozess verlangsamen und die Regeneration des Körpers unterstützen sollten. Im Mittelpunkt stand eine von ihm angewandte Serum-Therapie. Hinzu kamen Vitamine, Enzyme, homöopathische Präparate, Akupunktur und weitere Anwendungen.

Die Klinik wurde häufig mit dem Begriff Frischzellenkur verbunden. Nach Angaben der Familie entwickelte Wiedemann jedoch keine klassische Frischzellentherapie, sondern eine eigene Behandlung auf Grundlage einer Serum-Therapie.

Quelle: Münchner Merkur: Die Geschichte der Ambacher Wiedemann-Klinik

Der Aufstieg zur bekannten Kurklinik

Mit wachsender Nachfrage wurde das Gelände immer weiter ausgebaut. Neben dem ursprünglichen Waldschlössl entstanden das Haupthaus Panorama, die Wohngebäude Riviera, ein Freibad, eine Schwimmhalle, eine Kegelbahn und mehrere kleine Golfanlagen.

In seiner erfolgreichsten Zeit beschäftigte das Sanatorium zwölf Ärzte und rund 35 weitere Mitarbeiter. Zeitweise wurden bis zu 500 Patienten versorgt, wobei ein großer Teil der Behandlungen ambulant erfolgte.

Auch für die Gemeinde Münsing hatte die Klinik erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Im Jahr 1987 entfielen rund 30.000 der insgesamt 89.000 Übernachtungen im Gemeindegebiet auf die Wiedemann-Klinik.

Quelle: Münchner Merkur: Die goldenen Jahre der Wiedemann-Klinik

Prominente Gäste am Starnberger See

Das Wiedemann-Sanatorium wurde weit über Bayern hinaus bekannt. Zu den genannten Gästen gehörten unter anderem Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Klausjürgen Wussow, Harald Juhnke, Inge Meysel, Heidi Kabel und Rudolf Moshammer. Auch der frühere österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky soll sich hier behandeln lassen haben.

Zum Konzept gehörte nicht nur die medizinische Behandlung. Die Gäste sollten sich in einer komfortablen Umgebung erholen. Zimmer mit schweren Vorhängen und Baldachinen, Teppiche, Schwimmbäder sowie ein eigener Friseursalon prägten das Erscheinungsbild der Klinik.

Quellen: Abendzeitung München: Prominente Gäste im Sanatorium | Münchner Merkur: Wiedemann-Klinik in Ambach

Das Ende der Wiedemann-Klinik

In den 1990er-Jahren begann der wirtschaftliche Niedergang. Krankenkassen genehmigten weniger Kuren und viele Selbstzahler entschieden sich zunehmend für Urlaubsreisen statt für einen längeren Aufenthalt in einer Kurklinik.

Nach dem Tod von Fritz Wiedemann im Jahr 1991 führten seine Söhne das Unternehmen weiter. Im Jahr 2004 wurde die Klinik an das italienische Unternehmen Sanacare verkauft. Bereits 2005 folgte die Insolvenz. Eine vorübergehende Nachnutzung endete schließlich im Jahr 2008.

Damit begann der endgültige Leerstand des Wiedemann-Sanatoriums. Mehrere Pläne für eine medizinische oder touristische Nachnutzung scheiterten.

Quellen: Münchner Merkur: Ende der Wiedemann-Klinik | Wochenanzeiger: Geschichte der Geisterklinik

Patientenakten in der verlassenen Klinik

Nach der Schließung blieben nicht nur Möbel und medizinische Geräte zurück. In den verlassenen Räumen lagen auch Rezepte, Befunde, Röntgenbilder und sensible Patientenakten. Darunter sollen sich Unterlagen prominenter ehemaliger Patienten befunden haben.

Der sorglose Umgang mit diesen persönlichen Daten wurde 2016 öffentlich bekannt und entwickelte sich zu einem Datenschutzskandal. Zu diesem Zeitpunkt waren Teile des Geländes noch vergleichsweise leicht zugänglich. Später wurde das Anwesen geräumt, eingezäunt und zeitweise von einem Sicherheitsdienst bewacht.

Quellen: tz München: Patientenakten in der Geisterklinik | Abendzeitung München: Verlassene Klinik in Ambach

Abriss und gescheiterte Neubaupläne

Das Kuratorium Wohnen im Alter erwarb 2016 einen großen Teil des Grundstücks. Geplant war eine Seniorenresidenz, für die die verfallenen Klinikgebäude weitgehend abgerissen wurden. Das historische Waldschlössl sollte als Erinnerung an die frühere Anlage erhalten bleiben.

Bis 2023 war ein großer Teil des ehemaligen Sanatoriums beseitigt und das Gelände weitgehend geräumt. Nach acht Jahren Planung gab das Kuratorium das Projekt im Jahr 2024 aus wirtschaftlichen Gründen auf. Damit blieb die weitere Zukunft des Grundstücks erneut offen.

Quellen: Münchner Merkur: Ausstieg aus dem Seniorenstift-Projekt | Süddeutsche Zeitung: Aus für das Seniorenwohnstift

Mein Besuch 2014

Als ich das Wiedemann-Sanatorium 2014 besuchte, war die frühere Klinik bereits seit mehreren Jahren verlassen. Dennoch befanden sich in den Gebäuden noch erstaunlich viele Spuren des früheren Betriebs.

In den Zimmern standen Möbel, während Behandlungsräume, medizinische Geräte und lange Flure an den Klinikalltag erinnerten. Besonders auffällig waren die Gestaltung der 1950er-Jahre, die geschwungenen Terrassen und die eleganten Gemeinschaftsbereiche.

Der Kontrast zwischen der luxuriösen Vergangenheit und dem sichtbaren Verfall machte diesen Ort außergewöhnlich. Meine Fotografien dokumentieren einen Zustand, der heute nicht mehr existiert, da große Teile des früheren Sanatoriums inzwischen abgerissen wurden.

Atmosphere / Atmosphäre
50%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
13%
Decay / Verfall
38%

Germany, visited in 2011

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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