Oberhalb des Ortes Mala im Norden Lanzarotes erhebt sich eine gewaltige Betonmauer zwischen den kargen Vulkanhängen. Die Presa de Mala wurde als Wasserspeicher für die trockene Kanareninsel geplant. Ihre eigentliche Aufgabe konnte der Staudamm jedoch nie zuverlässig erfüllen.
Heute wirkt das Bauwerk wie ein monumentales Relikt aus einer Zeit, in der man hoffte, die Wasserknappheit Lanzarotes mit einem großen Stausee lösen zu können. Im Jahr 2026 habe ich die ungewöhnliche Anlage fotografiert.
Wasser war auf Lanzarote schon immer eine knappe Ressource. Ende der 1950er-Jahre entstand deshalb die Idee, das im Barranco del Estanque abfließende Regenwasser aufzufangen und für die Landwirtschaft zu speichern.
Die Presa sollte zugleich als Notreserve dienen, falls die damals noch junge Meerwasserentsalzung der Insel ausfallen würde. Besonders die landwirtschaftlich genutzten Flächen rund um Mala und Haría sollten von dem gespeicherten Wasser profitieren.
Quelle: Historia de Haría: La Presa de Mala
Bereits 1958 schlugen Bauern aus der Region den Bau eines großen Wasserspeichers vor. Im Jahr 1967 ließ das Cabildo die Machbarkeit einer Staumauer im Valle del Palomo untersuchen. Der technische Entwurf entstand 1970 unter der Leitung des Ingenieurs Saturnino Alonso Vega.
Während der 1970er-Jahre nahm das Projekt konkrete Formen an. Eine massive Betonmauer wurde quer durch die Schlucht errichtet. Doch noch 1976 fehlten wichtige Bestandteile wie der Überlauf, Teile des Entwässerungssystems und weitere Arbeiten im Inneren der Anlage.
Quellen: Historia de Haría: Geschichte der Presa de Mala | Lanzarote Information: Lanzarote’s Dam
Nach der ursprünglichen Planung sollte der Stausee rund 186.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen. Vorgesehen war eine Wasserhöhe von etwa 30 Metern. Damit wäre die Presa de Mala für Lanzarote ein bedeutender Wasserspeicher gewesen.
Die Anlage sollte Niederschläge sammeln, die ansonsten durch die Schlucht in Richtung Küste abgeflossen wären. Auf einer Insel mit sehr unregelmäßigen Regenfällen erschien das Projekt zunächst sinnvoll.
Quelle: Historia de Haría: Technische Daten der Presa
Das entscheidende Problem lag nicht in der Betonmauer, sondern im Untergrund des geplanten Reservoirs. Wasser versickerte durch poröse und durchlässige Gesteinsschichten. Selbst nach stärkeren Regenfällen konnte die Presa deshalb nur einen Teil ihrer vorgesehenen Wassermenge halten.
Berichten zufolge erreichte der Speicher nie mehr als ungefähr 20 Prozent seiner geplanten Kapazität. Zusätzlich wurde die vorgesehene Zufahrt für Tankwagen nicht fertiggestellt. Gleichzeitig verlor das Projekt durch den Ausbau der Meerwasserentsalzung zunehmend an Bedeutung.
Die Presa de Mala wurde damit zu einem kostspieligen Wasserbauwerk, das seine zentrale Aufgabe nie erfüllen konnte.
Quellen: Lanzarote Information: Bau und Erschließung | Idealista: Der undichte Staudamm von Mala
Vollständig nutzlos ist die Staumauer dennoch nicht. Bei seltenen starken Regenfällen bremst sie einen Teil des durch die Schlucht strömenden Wassers. Unterhalb der Presa konnte Wasser zeitweise ebenfalls gesammelt und für landwirtschaftliche Zwecke verwendet werden.
Nach außergewöhnlichen Niederschlägen bildet sich hinter der Staumauer gelegentlich eine sichtbare Wasserfläche. Diese seltenen Bilder zeigen, welche Wirkung das Bauwerk ursprünglich dauerhaft haben sollte.
Quellen: Idealista: Heutige Funktion der Presa | La Voz de Lanzarote: Wasser in der Presa de Mala
Obwohl die Presa häufig wie ein verlassener Ort erscheint, handelt es sich weiterhin um eine kontrollierte wasserbauliche Anlage. Der Inselrat und der zuständige Wasserrat ließen in den vergangenen Jahren neue Zäune, Türen und Sicherungen an Zugängen und Entwässerungsbereichen installieren.
Die Maßnahmen sollen unbefugtes Betreten gefährlicher Bereiche verhindern und die Sicherheit rund um die Staumauer verbessern. Die Presa de Mala ist daher kein vollständig aufgegebenes Bauwerk, sondern eine gesicherte Infrastruktur mit begrenzter Funktion.
Quellen: Cabildo de Lanzarote: Sicherungsmaßnahmen | Consejo Insular de Aguas: Verbesserung der Sicherheit
Bei meinem Besuch im Jahr 2026 lag die Presa de Mala unter einem leicht bewölkten Himmel. Die massive Betonmauer wirkte zwischen dem dunklen Vulkangestein wie ein Fremdkörper. Gleichzeitig schien sie längst zu einem festen Bestandteil der rauen Landschaft geworden zu sein.
Besonders eindrucksvoll war der Kontrast zwischen der geradlinigen Architektur, den unregelmäßigen Felswänden und der deutlich erkennbaren Linie des ehemaligen Reservoirs. Von den Felsen in der Nähe starteten während meines Aufenthalts mehrere Gleitschirmflieger und schwebten über das Tal.
Die Presa de Mala ist kein klassischer Lost Place mit verlassenen Räumen. Ihre Geschichte erzählt vielmehr von einem ehrgeizigen Infrastrukturprojekt, das an den geologischen Bedingungen Lanzarotes scheiterte. Genau diese Verbindung aus Landschaft, Technik und gescheiterter Planung macht das Bauwerk für mich fotografisch besonders interessant.
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