Im Calmuth-Tal bei Remagen lag mit der Internationalen Film-Union, kurz IFU, ein außergewöhnlicher Ort der deutschen Nachkriegs-Filmgeschichte. Hier wurden Filme synchronisiert, kopiert und für Kino und Fernsehen bearbeitet. In der Lost-Places-Szene ist die Anlage auch unter dem Namen Panacolor bekannt.
Die folgende Galerie zeigt einen besonderen Moment: In einigen Räumen standen noch Projektoren, Schneide- und Kopiergeräte, Filmmaterial und Unterlagen. Gleichzeitig war der Abriss bereits sichtbar. Der Studiokomplex wurde später vollständig abgerissen. Heute existiert dieser Lost Place nur noch in Fotografien und Erinnerungen.
Quellen: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler | 28DaysLater: Internationale Film-Union aka Panacolor
Die ehemalige Anlage lag im Calmuth-Tal zwischen Remagen und Oberwinter im Landkreis Ahrweiler, Rheinland-Pfalz. Das Tal liegt in einer bewaldeten, abgeschiedenen Landschaft. Die Ruhe war kein Zufall: Für Tonaufnahmen sollte die Lage möglichst wenig von Außengeräuschen beeinflusst werden.
Quellen: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler | Ahrtal Tourismus: Rundwanderweg im Calmuth-Tal
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte die französische Besatzungsmacht den Film in ihrer Zone neu beleben. Das Konzept für Remagen ging weit über ein einzelnes Synchronstudio hinaus: Geplant waren drei Tonfilmhallen, eine Kopieranstalt und ein kompletter Atelierkomplex. Die Vision war eine „Filmstadt im Westen“.
Wegen der hohen Kosten wurden nicht alle Bauphasen verwirklicht. Gebaut und genutzt wurden vor allem das Synchronisations- und Tonstudio, das Kopierwerk im historischen Gut Calmuth sowie Werkstätten, Filmbunker und weitere Nebengebäude.
Quelle: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler
Die Film-Union wurde am 8. März 1947 gegründet. Zwischen 1946 und 1948 entstand im Calmuth-Tal ein technisch anspruchsvolles Synchronstudio mit großer Aufnahmehalle, Regie- und Projektionsräumen, Schnittmöglichkeiten sowie Aufenthaltsräumen für Schauspieler und Sprecher.
Im Laufe seiner Geschichte wurden hier mehr als 800 Spielfilme bearbeitet, darunter die Don-Camillo-Filme sowie Produktionen mit Laurel und Hardy. Auch bekannte Namen wie Romy Schneider, Hildegard Knef, Ellen Schwiers, Hansjörg Felmy und Gert Fröbe sind mit dem Studio verbunden. Seit den 1950er-Jahren entstand hier außerdem die Wochenschau „Blick in die Welt“; später wurden Dokumentar- und Kulturfilme für andere Sprachräume bearbeitet.
Quellen: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler | Lexikon der Filmbegriffe: Internationale Film-Union | Ahrtal Tourismus
Das Kopierwerk arbeitete mit 16-mm- und 35-mm-Film. In der Hochphase lag die angegebene Kapazität bei bis zu 600.000 Metern Schwarz-Weiß-Film pro Jahr. Nach den verschärften Sicherheitsvorschriften für Nitrofilm blieb die Anlage auch mit der Übertragung gefährlicher Filmbestände auf Sicherheitsfilm verbunden.
Die Aufnahmen aus dem Jahr 2009 lassen diesen analogen Arbeitsalltag noch erkennen: Projektoren, Spulen, Filmtransportmechanik, Schneide- und Kopiergeräte, Schaltfelder und Kontrolltechnik stehen in den verlassenen Räumen. Dazwischen liegen Filmstreifen, Dosen, Akten und Produktionsunterlagen.
Quellen: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler | Lexikon der Filmbegriffe
Am 27. September 1965 kam es durch die Selbstentzündung von Nitrofilm zu einer Explosion. Der gesamte Bunkerkomplex und große Mengen Filmmaterial wurden zerstört. Der Sachschaden ging in die Millionen, Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.
Der Unfall machte sichtbar, wie empfindlich und gefährlich das Material war, mit dem die Film-Union arbeitete. Die Kopiertätigkeit wurde anschließend mit Sicherheitsfilm fortgesetzt und blieb noch bis in die 1990er-Jahre ein Teil der Geschichte des Standorts.
Quelle: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler
Mit dem Wandel der Film- und Fernsehproduktion gingen die Aufträge zurück. Die Kopiertätigkeit endete 1996 vollständig. Danach verfiel der Studiobereich zunehmend. Nach dem Verkauf des Anwesens im Jahr 2009 wurde der Studiokomplex abgerissen.
Quellen: Lexikon der Filmbegriffe | Filmvorführer-Forum: IFU Remagen
Die Bilder zeigen den Ort in seinem Übergang: Einige Innenräume wirken noch wie verlassene Arbeitsplätze, andere sind bereits von Einsturz, Feuchtigkeit und Abriss gezeichnet. In den Sälen stehen schwere Filmmaschinen, an den Wänden hängen Schalt- und Steuergeräte, auf Tischen und Stühlen liegen Spuren des früheren Betriebs.
Außen bestimmen Bauschutt, Container, freigelegte Bauteile und der Wald das Bild. Gerade diese Mischung macht die Serie besonders: Die Technik erzählt von einem hoch spezialisierten Betrieb, während die Gebäude bereits ihre Funktion und ihre Form verlieren.
Zwischen den Geräten finden sich Filmstreifen, Spulen, Dosen, Produktionspapiere und alte Unterlagen. Ein Dokument trägt das Datum 3. April 1973. Solche kleinen Details geben dem verlassenen Komplex eine zeitliche Tiefe, die kein leerer Raum allein vermitteln könnte.
Die Film-Union erscheint in diesen Bildern nicht nur als Gebäude, sondern als vollständige Arbeitswelt: Aufnahme, Bearbeitung, Kopie, Verwaltung und Lagerung lagen an einem Ort. Was nach dem Ende des Betriebs zurückblieb, wirkt wie ein analoges Gedächtnis, das zwischen Staub und Schutt langsam zerfällt.
Die ehemalige Panacolor-Anlage ist heute kein begehbarer Lost Place mehr. Der Studiokomplex wurde abgerissen; aktuelle Hinweise auf das Calmuth-Tal erinnern vor allem an seine frühere Funktion als Filmstandort. Meine Fotos halten einen Zustand fest, den es heute nicht mehr gibt.
Damit steht Panacolor beispielhaft für eine besondere Form der Lost-Places-Fotografie: Nicht jeder Ort bleibt als Ruine erhalten. Manchmal ist die Dokumentation selbst das letzte Zeugnis eines Gebäudes, das einst voller Stimmen, Maschinen und bewegter Bilder war.
Quellen: Lexikon der Filmbegriffe | Ahrtal Tourismus
2009 habe ich die ehemalige Panacolor-Anlage fotografisch dokumentiert. Schon beim ersten Blick waren Abriss und Verfall nicht mehr zu übersehen: Container und Bauschutt lagen zwischen den Bäumen, während in den verbliebenen Räumen noch Projektoren, Kopiergeräte, Filmstreifen, Akten und Stühle standen.
Gerade dieser Gegensatz war für mich besonders stark. Einerseits lagen hier technische Geräte, die jahrzehntelang Bilder bewegt und Stimmen auf die Leinwand gebracht hatten. Andererseits war der Studiokomplex bereits im Übergang vom Arbeitsort zur Ruine.
Heute existiert die Anlage nicht mehr. Meine Fotos halten einen Zustand fest, den es heute nicht mehr gibt: ein analoges Filmgedächtnis zwischen Staub, Rost, Papier und Schutt.
Für mich ist Panacolor deshalb mehr als ein verlassener Industriebau. Es war ein Ort, an dem Filmgeschichte produziert, bearbeitet und bewahrt wurde. Dass am Ende ausgerechnet dieses Archiv selbst zum Lost Place wurde, macht die Bilder bis heute so eindringlich.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.