Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Palac Borkowice – Verlassener Palast in Polen

Palac Borkowice: verlassener Palast in Polen

Der Palac Borkowice ist eine ehemalige Residenz der Familie Dembiński in der polnischen Woiwodschaft Masowien. Der monumentale Palast entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und verband die repräsentative Architektur eines französischen Adelssitzes mit dem technischen Komfort seiner Zeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude mehrere Jahrzehnte als Landwirtschaftsschule. Später stand es lange leer und verfiel zunehmend. Meine Fotografien aus dem Jahr 2010 dokumentieren den Palast während dieser Phase. Zahlreiche Fenster waren bereits zerstört und die einst elegante Fassade zeigte deutliche Spuren der Vernachlässigung.

Quellen: PTTK Mazowsze: Palast- und Parkanlage Borkowice | Dwory i Pałace Polski: Pałac w Borkowicach

Die Geschichte des Palastes von Borkowice

Die Geschichte des Landgutes reicht wesentlich weiter zurück als der heutige Palast. Zu den früheren Eigentümern der Güter gehörten unter anderem die Familien Dunin-Borkowski, Małachowski und Tarnowski. Im Jahr 1885 gelangte der Besitz schließlich an Stefan und Maria Dembiński.

Im Jahr 1903 begann die Familie Dembiński mit dem Bau einer modernen Residenz. Die Entwürfe stammten von den bedeutenden polnischen Architekten Władysław Marconi und Zygmunt Hendel. Die Bauarbeiten wurden 1908 abgeschlossen.

Für die damalige Zeit war der neue Familiensitz außergewöhnlich modern. Der Palast verfügte über eine Zentralheizung und erhielt bereits kurze Zeit nach seiner Fertigstellung elektrisches Licht. Das gesamte Landgut umfasste zeitweise mehr als 2.400 Hektar.

Quellen: Dwory i Pałace Polski: Geschichte und Eigentümer | CoZaDzien: Na ratunek pałacowi

Eklek­izistische Architektur nach französischem Vorbild

Der ungefähr 2.000 Quadratmeter große Palast von Borkowice wurde im Stil des Eklektizismus errichtet. Seine Gestaltung verbindet Elemente der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus. Als Vorbild dienten repräsentative französische Palastanlagen.

Das unterkellerte Gebäude besitzt zwei Hauptgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss. Ein Mansarddach mit zahlreichen Dachfenstern überspannt den kompakten Baukörper. Die symmetrische Hauptfassade wird durch drei vorspringende Gebäudeteile gegliedert.

Im Zentrum befindet sich ein dreiseitiger Mittelrisalit mit dem Haupteingang. Darüber liegt ein Balkon mit steinerner Balustrade. Ovale Fenster, Girlanden, Gesimse und die ursprünglich vorhandene Zierspitze unterstreichen den repräsentativen Charakter des Palastes. Auf der Gartenseite öffnet sich das Gebäude mit zweigeschossigen Loggien zum umgebenden Park.

Quellen: PTTK Mazowsze: Architektur des Palastes | Dwory i Pałace Polski: Baubeschreibung

Der englische Landschaftspark

Der Palast steht auf einer leichten Anhöhe in einem ursprünglich rund 9,4 Hektar großen englischen Landschaftspark. Die Anlage umfasste Alleen, Brücken, Grotten, eine Statue und einen künstlich aufgeschütteten Hügel nach dem Vorbild des Krakauer Kościuszko-Hügels.

Ein Teil des historischen Baumbestandes blieb erhalten. Dazu zählen ein ungefähr 300 Jahre alter Platanenbaum, eine rund 200 Jahre alte Winterlinde sowie alte Lärchen und Buchen. Gemeinsam mit dem Palast bildet dieser Park eine geschützte historische Gesamtanlage.

Quellen: PTTK Mazowsze: Landschaftspark Borkowice | Ziemia Odrowążów: Palast- und Parkanlage

Krieg, Landwirtschaftsschule und Leerstand

Nach dem deutschen Einmarsch im Jahr 1939 musste die Familie Dembiński den Palast verlassen. Die Wehrmacht nutzte das Gebäude anschließend als Stützpunkt. Gegen Ende des Krieges richteten sowjetische Truppen vorübergehend ein Lazarett in der Anlage ein.

Nach dem Krieg war der Palast so stark beschädigt, dass zeitweise sein Abriss erwogen wurde. Stattdessen erfolgte eine Instandsetzung. Ab 1947 wurde das Gebäude als Landwirtschaftsschule genutzt. Diese Nutzung dauerte bis in die 1980er Jahre.

Nach dem Auszug der Schule blieb die Anlage ungenutzt. Undichte Dächer, eindringendes Wasser, fehlende Sicherungsmaßnahmen und Plünderungen beschleunigten den Verfall. Teile der hölzernen Geschossdecken stürzten ein. Im Jahr 2004 verkaufte der Landkreis den Palast zusammen mit einem Teil des Parks an einen privaten Eigentümer.

Quellen: CoZaDzien: Geschichte des Palastes | PTTK Mazowsze: Nutzung und Verfall

Rettungsversuche für den Palac Borkowice

Der Palast und die historische Parkanlage stehen seit den 1980er Jahren unter Denkmalschutz. Dennoch verhinderten ungeklärte Grundstücksgrenzen, wechselnde Zuständigkeiten und die hohen Sanierungskosten lange Zeit eine umfassende Rettung.

Im Jahr 2025 erhielt die Eigentümerin, die Stiftung A JEDNAK, eine Förderung von 140.000 Złoty aus dem Programm „Mazowsze dla zabytków“. Das Geld war für Arbeiten an beschädigten Deckenbereichen vorgesehen. Damit besteht zumindest die Chance, weitere Verluste an der historischen Bausubstanz zu verhindern.

Quelle: CoZaDzien: Förderung zur Rettung des Palastes, 24. Dezember 2025

Mein Besuch 2010

Ich besuchte den Palac Borkowice im Jahr 2010. Schon die breite Zufahrt und die symmetrische Hauptfassade ließen erahnen, welche Wirkung diese Residenz früher entfaltet haben muss.

Besonders auffällig waren der dreiseitige Mittelrisalit, der Balkon über dem Eingang und die zahlreichen dekorativen Einzelheiten. Gleichzeitig zeigten die eingeschlagenen Fensterscheiben und die verwitterte Fassade deutlich, wie lange das Gebäude bereits vernachlässigt worden war.

Bei meiner fotografischen Dokumentation konzentrierte ich mich auf die Außenarchitektur. Neben den Gesamtansichten hielt ich die ovalen Fenster, das kunstvolle Metallgitter, die Fensterachsen und den repräsentativen Eingangsbereich fest. Meine Bilder bewahren damit den Zustand des Palastes zu Beginn des Jahres 2010.

Atmosphere / Atmosphäre
58%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
0%
Decay / Verfall
37%

Poland, visited in 2010

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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