Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Molenfeuer Bremerhaven-Geestemündung: Geschichte, Abriss und Wiederaufbau des Leuchtturms

Das Molenfeuer Bremerhaven-Geestemündung war ein markantes Seezeichen an der Weser. Der rote Turm stand am Kopf der Nordmole und markierte die nördliche Seite der Einfahrt zur Geestemündung.

Meine Aufnahmen entstanden am 19. August 2022, kurz bevor die historische Mole endgültig aufgegeben und der schief stehende Turm abgebaut wurde. Heute existiert das ursprüngliche Molenfeuer nicht mehr. Die neue Nordmole und der Wiederaufbau des historischen Turms sind inzwischen Teil eines großen Hafenbauprojekts.

Quellen: Historisches Museum Bremerhaven: Der Nordmolenturm | bremenports: Neubau der Nordmole

Ein Leuchtfeuer für die Geestemündung

Bereits 1857 befand sich am Ende der damaligen Nordmole ein erstes Leuchtfeuer. Mit dem Ausbau der Geestemündung zwischen 1912 und 1914 wurde die Mole verlängert und das ältere Bauwerk durch den späteren roten Molenturm ersetzt.

Das Molenfeuer diente nicht nur als Wahrzeichen, sondern vor allem der Sicherheit der Schifffahrt. Gemeinsam mit dem grünen Leuchtfeuer auf der gegenüberliegenden Südmole markierte es die Einfahrt in die Geeste und den Fischereihafen.

Quellen: Deutsche Leuchtfeuer: Molenfeuer Bremerhaven-Geestemündung | Bremerhaven.de: Leuchtfeuer Geeste-Südmole

Der rote Turm auf der Nordmole

Der 1914 in Betrieb genommene Turm bestand aus rotem Klinker und besaß eine auffällige rote Kuppel. Stilistisch wurde der Bau der gemäßigten Moderne und der Reformarchitektur zugeordnet. Die schlichte, funktionale Form passte zu seiner Aufgabe als nautisches Bauwerk.

Über Jahrzehnte gehörte der Nordmolenturm fest zur Silhouette Bremerhavens. Er war ein beliebtes Motiv für Fotografien und Gemälde und bot vom Molenkopf aus einen besonderen Blick auf die Stadt, die Weser und den Fischereihafen. Seit 2001 stand das Molenfeuer unter Denkmalschutz.

Quellen: Historisches Museum Bremerhaven: Der Nordmolenturm | Deutsche Leuchtfeuer: Molenfeuer Bremerhaven-Geestemündung

Die Schieflage im August 2022

In der Nacht zum 18. August 2022 sackte der vordere Teil der Nordmole ab. Dadurch geriet der Leuchtturm in eine bedrohliche Schieflage und drohte ins Wasser zu stürzen.

Die Mole war zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren wegen ihres schlechten baulichen Zustands gesperrt. Dadurch kamen bei der Havarie keine Menschen zu Schaden. Der schiefe Turm wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem bundesweit bekannten Symbol für marode Hafeninfrastruktur.

Quellen: bremenports: Neubau der Nordmole | NDR: Bau neuer Mole beginnt

Abbau und Sicherung der historischen Bauteile

Der Abbau des havarierten Molenkopfes begann im September 2022. Die Mauerwerks- und Betonstrukturen mussten vorsichtig von schwimmenden Geräten entfernt und zur Verwertung in den Fischereihafen gebracht werden.

Wichtige Teile des Turms wurden gesichert. Dazu gehörten unter anderem die rote Turmkappe, das historische Geländer, Türen und das Prisma der Leuchte. Weitere Bauteile, darunter Teile des Mauerwerks, wurden zwischengelagert und durch die Denkmalpflege begutachtet.

Für die Schifffahrt wurde zunächst ein provisorisches rotes Leuchtfeuer auf einem Stahlrohr vor dem alten Molenkopf installiert.

Quellen: bremenports: Rückbau des Nordmolenkopfes | bremenports: Neues Leuchtfeuer an der Geestemündung

Neubau der Nordmole und Rückkehr des Turms

Seit Herbst 2025 wird die Nordmole vollständig neu gebaut. Die neue Konstruktion entsteht in leicht veränderter Lage und soll die Zufahrt zum Fischereihafen langfristig sicherer machen. Die neue Mole wird laut Projektplanung rund 280 Meter lang.

Der historische Turm soll am neuen Molenkopf äußerlich originalgetreu wiedererrichtet werden. Die gerettete rote Kuppel soll dabei restauriert und erneut verwendet werden. Die Technik im Inneren wird dem aktuellen Stand angepasst.

Der ursprüngliche Lost Place ist damit zwar verschwunden, seine Geschichte bleibt jedoch sichtbar. Aus dem abgerissenen Molenfeuer soll wieder ein funktionierendes Seezeichen und ein prägendes Wahrzeichen Bremerhavens werden.

Quellen: bremenports: Neubau der Nordmole | bremenports: Erster Rammschlag für die neue Nordmole | NDR: Bremerhaven bekommt sein Wahrzeichen zurück

Mein Besuch 2022

Am 19. August 2022 stand der rote Turm noch am Ende der Nordmole. Seine Schieflage war bereits deutlich sichtbar und verlieh dem bekannten Seezeichen eine beinahe surreal wirkende Ausstrahlung.

Ich habe das Molenfeuer aus verschiedenen Entfernungen fotografiert: vom Strand, vom Ufer und aus dem Bereich des Fischereihafens. Je nach Wetter, Tageszeit und Blickwinkel wirkte der Turm völlig unterschiedlich. Mal stand seine rote Kuppel klar gegen den grauen Himmel, mal verschmolz er beinahe mit dem Wasser und den Hafenanlagen.

Nur wenige Tage später begann die Sicherung des beschädigten Bauwerks. Heute dokumentieren diese Aufnahmen einen Leuchtturm, der zwar nicht mehr existiert, aber durch seine Geschichte und die geplante Rückkehr weiterhin zum maritimen Gedächtnis Bremerhavens gehört.

Atmosphere / Atmosphäre
32%
Risk / Gefahr
23%
Vandalism / Vandalismus
0%
Decay / Verfall
29%

Germany, visited in 2022

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Demolished 2022

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