Die Metallwarenfabrik August in Kierspe-Bollwerk gehörte zum historischen Sessinghauser Hammer im Volmetal. Hier wurden über Jahrzehnte Zubehör- und Kleinteile für Fahrräder, Motorräder und Automobile hergestellt. Heute erinnern nur noch erhaltene Gebäudeteile, alte Maschinen und zurückgelassene Produkte an die frühere Nutzung.
Quelle: Sauerland.com: Sessinghauser Hammer
Der Standort blickt auf eine lange Industriegeschichte zurück. Funde von Eisenschlacke deuten auf eine wasserbetriebene Eisenhütte bereits im 16. Jahrhundert hin. Im Jahr 1638 wird hier ein Osemund-Hammerwerk mit zwei Hämmern erwähnt. Im Laufe der Zeit veränderte sich die Produktion und entwickelte sich von schweren Schmiedeteilen zu immer leichteren Metallwaren.
1938 zog die Metallwarenfabrik August Hessmert aus Brügge in Westfalen in den ehemaligen Hammer nach Kierspe-Bollwerk. Der Betrieb wurde damit zu einem wichtigen Teil der regionalen Kleineisenindustrie.
Quelle: Sauerland.com: Sessinghauser Hammer
Mit bis zu 100 Beschäftigten fertigte die Metallwarenfabrik Zubehörteile für Fahrräder, Motorräder und Automobile. Dazu gehörten Rücklichter, Rückstrahler, Pumpenhalter, Rückspiegel, Sportlenker, Hosenklammern, Spangen und Fahrradfiguren.
In den 1970er Jahren übernahm Walter Brune den Betrieb. Die zurückgelassenen Reflektoren, Fahrradteile, Verpackungen und Produktionsunterlagen geben heute einen eindrucksvollen Einblick in die frühere Arbeit. Zwischen den verstaubten Hallen fanden sich außerdem alte Maschinen, Schreibmaschinen, Werkzeuge und zahlreiche persönliche Spuren des Betriebsalltags.
Quelle: Sauerland.com: Sessinghauser Hammer
Ende der 1990er Jahre endete die industrielle Nutzung des Areals. Die Gebäude verfielen zunehmend und waren teilweise einsturzgefährdet. Im Jahr 2011 wurden große Teile der ehemaligen Metallwarenfabrik abgerissen.
Für die erhaltenen Gebäudeteile waren eine touristische Nutzung, ein Museum und die Wiederbelebung der Wasserkraft geplant. Der Sessinghauser Hammer ist bis heute jedoch nicht vollständig restauriert und kann nur teilweise von außen besichtigt werden.
Quellen: Sauerland.com: Sessinghauser Hammer | come-on.de: Von der Industrieruine zum Regionale-Projekt
Ich besuchte die Metallwarenfabrik August im Jahr 2010. Zu diesem Zeitpunkt standen die Backsteingebäude noch weitgehend erhalten im verschneiten Kierspe-Bollwerk. Im Inneren lagen überall die Spuren der vergangenen Produktion: rote Rückstrahler, Fahrradteile, alte Verpackungen, Werkzeuge und vergilbte Unterlagen.
Besonders eindrucksvoll war der Gegensatz zwischen der winterlichen Ruhe außerhalb und dem Chaos in den Werkhallen. Zwischen rostigen Maschinen, zerbrochenen Fenstern und abblätternden Wänden erzählten selbst kleinste Gegenstände noch von der industriellen Vergangenheit dieses Ortes.
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