Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lederfabrik Hammann in Mülheim: Lost Place, Lederindustrie und Denkmal

Die ehemalige Lederfabrik Hammann in Mülheim-Speldorf ist ein eindrucksvolles Zeugnis der Mülheimer Lederindustrie. Zwischen Backsteinfassaden, stillgelegten Maschinen und langen Produktionssälen erzählt der Lost Place von einer Zeit, in der Gerbereien das Ruhrgebiet prägten. Die Aufnahmen aus dem Jahr 2012 zeigen die Fabrik noch im verlassenen Zustand, kurz bevor ihre denkmalgeschützte Bausubstanz eine neue Nutzung erhielt.

Die Lederfabrik Hammann in Mülheim-Speldorf

Die Gerberei Hammann verlegte ihren Betrieb im Jahr 1907 an diesen Standort. Der bisherige Standort am Froschenteich bot keine ausreichenden Möglichkeiten mehr für eine Erweiterung. Mit dem Neubau an der Hansastraße entstand eine weitläufige Fabrikanlage, die über viele Jahrzehnte von der Lederproduktion geprägt wurde.

Mülheim an der Ruhr entwickelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem bedeutenden Zentrum der Lederindustrie. Entlang von Ruhr, Kassenberg und Düsseldorfer Straße entstanden zahlreiche Gerbereien und lederverarbeitende Betriebe. Im Jahr 1924 erreichte die Mülheimer Lederindustrie mit mehr als 50 Fabriken ihren Höhepunkt.

Quellen: Geschichtsverein Mülheim: Mülheim an der Ruhr, Stadt der Gerber und des Leders | Stadt Mülheim an der Ruhr: Die Mülheimer Lederindustrie

Gerberei und pflanzliche Gerbstoffe

Die Lederfabrik Hammann gehörte schließlich zu den letzten produzierenden Lederfabriken in Mülheim an der Ruhr. Eine Besonderheit war die kontinuierliche Verbindung aus handwerklicher Tradition und industrieller Produktion. Bis zuletzt wurde mit pflanzlichen Gerbstoffen gearbeitet. Dieses vegetabile Gerbverfahren gilt als technologische Besonderheit der Anlage.

Nach ungefähr 130 Jahren endete die Lederherstellung im Jahr 2008. In den verlassenen Produktionsräumen blieben zahlreiche Maschinen, Rohrleitungen, Handräder und technische Einrichtungen zurück. Sie vermitteln noch heute einen Eindruck von den früheren Arbeitsabläufen der Gerberei.

Quellen: Geschichtsverein Mülheim: Mülheim an der Ruhr, Stadt der Gerber und des Leders | Stadt Mülheim an der Ruhr: Die Mülheimer Lederindustrie | Stadt Mülheim an der Ruhr: Lederfabrik Hammann

Das denkmalgeschützte Fabrikensemble

Die denkmalgeschützte Anlage besteht aus einem etwa 50 Meter langen, viergeschossigen Haupttrakt parallel zur Hansastraße. Hinzu kommen ein Nordflügel, ein Südflügel, ein Torhaus und ein länglicher Verwaltungstrakt. Ergänzt wird das Ensemble durch die ehemalige Kraftzentrale mit Kesselhaus, Maschinenhaus und Schornstein.

Die Gebäude wurden überwiegend aus steinsichtigem Backstein errichtet. Große Sprossenfenster, schlichte Fassaden, gestufte Gesimse und die langen Produktionssäle bestimmen das Erscheinungsbild. Im Inneren sind noch bauliche Elemente der ursprünglichen Fabrik erhalten, darunter das Treppenhaus, der hofseitige Aufzug aus dem Baujahr 1907 und verschiedene technische Einbauten.

Die Stadt Mülheim führt die Lederfabrik Hammann als Baudenkmal. Ihre Bedeutung ergibt sich aus der Industriegeschichte, der Arbeitswelt, dem angewandten Gerbverfahren und der städtebaulichen Wirkung der Fabrikanlage.

Quellen: Stadt Mülheim an der Ruhr: Denkmaleintragung Lederfabrik Hammann | Stadt Mülheim an der Ruhr: Lederfabrik Hammann

Maschinen, Hallen und Spuren der Produktion

Die Galerie zeigt die Fabrik in einem Zustand, in dem die frühere Nutzung noch deutlich ablesbar war. In den Hallen standen historische Produktionsmaschinen mit großen Schwungrädern, Antriebsriemen und Handrädern. Dichte Rohrsysteme mit zahlreichen Ventilen erinnern an die technische Infrastruktur der Kraftzentrale.

Zwischen den Maschinen lagen alte Transportwagen und zurückgelassene Betriebseinrichtungen. Lange Räume mit hohen Fenstern, grünen Wandflächen und weißen Backsteinmauern führten tief in das Gebäude hinein. Pfützen auf den Böden, abgeplatzter Putz und rostende Bauteile zeigten, wie lange die Produktion bereits stillstand.

Der Lost Place im Jahr 2012

Während des Besuchs im Jahr 2012 wirkte die Lederfabrik wie ein eingefrorener Produktionsort. Die alten Maschinen waren nicht vollständig entfernt worden, gleichzeitig hatte sich der Verfall bereits deutlich in die Räume eingeschrieben. Feuchtigkeit, Rost, beschädigte Fenster und dunkle Verfärbungen prägten die Atmosphäre.

Einzelne Details machten die frühere Arbeitswelt besonders sichtbar: ein Warnschild an einer Brandschutztür, ein verlassener Bürostuhl, alte Leuchtstoffröhren, technische Handräder und die großflächigen Produktionssäle. Auch Graffiti und überwucherte Fenster gehörten zu den Spuren des Leerstands.

Vom beinahe geplanten Abriss zur neuen Nutzung

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 2009 von der Kreativ Unternehmensgruppe erworben. Zu diesem Zeitpunkt war die Fabrik bereits beinahe zum Abriss bestimmt. Stattdessen wurde eine neue Nutzung entwickelt, bei der die historische Bausubstanz erhalten und mit modernen Anforderungen verbunden werden sollte.

Im September 2012 wurde die Grundsteinlegung für den Seniorenpark gefeiert. Die Eröffnung war für das Jahr 2013 vorgesehen. Heute befinden sich in der ehemaligen Fabrik unter anderem stationäre Pflegeplätze, betreute Wohnungen, Tagespflege und Kurzzeitpflege. Teile der industriellen Geschichte sollen dabei weiterhin an die frühere Nutzung erinnern.

Quellen: Stadt Mülheim an der Ruhr: Von der Lederfabrik Hammann zum Seniorenpark | KREATIV Unternehmensgruppe: Ehemalige Lederwarenfabrik in Mülheim-Speldorf | Senioren-Park carpe diem: Qualitätsbericht stationäre Pflege 2025

Der Standort heute

Die ehemalige Lederfabrik Hammann ist heute kein Lost Place mehr. Die Anlage wird als Seniorenpark carpe diem Mülheim-Speldorf genutzt. Der heutige Standort wird unter Hansastraße 19a bis 23 in Mülheim an der Ruhr geführt. In der historischen Denkmalliste ist das Fabrikensemble unter Hansastraße 19 eingetragen.

Die Umnutzung zeigt, dass der Erhalt eines alten Industriebauwerks auch mit einer zeitgemäßen Nutzung verbunden werden kann. Hinter der heutigen Einrichtung bleiben die Backsteinfassaden, die Gebäudestruktur und die industrielle Geschichte der ehemaligen Gerberei als wichtige Bestandteile der Mülheimer Industriekultur erhalten.

Quellen: Seniorenpark carpe diem: Standort Mülheim | Seniorenpark carpe diem: Standorte | Stadt Mülheim an der Ruhr: Denkmalliste

Mein Besuch 2012

Beim Besuch im Jahr 2012 entstand der Eindruck einer Fabrik, in der die Zeit nach dem Ende der Lederproduktion stehen geblieben war. Die erhaltenen Maschinen, die langen Hallen und die technische Ausstattung machten die frühere Nutzung unmittelbar nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigten Rost, Feuchtigkeit, Graffiti und beschädigte Bauteile, wie stark der Leerstand bereits auf die Anlage eingewirkt hatte.

Besonders eindrucksvoll war der Gegensatz zwischen der gewaltigen Fabrikarchitektur und den vielen kleinen Details im Inneren. Handräder, Rohre, Warnschilder, Transportwagen und alte Arbeitsräume erzählten jeweils einen eigenen Teil der Geschichte. Heute ist die Lederfabrik Hammann erhalten, aber ihre damalige Atmosphäre als Lost Place gehört bereits zur Vergangenheit.

Atmosphere / Atmosphäre
23%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
3%
Decay / Verfall
64%

Germany, visited in 2012

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Renovated 2013

lost-places.com - Menu
Right Menu Icon