Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Kurhaus Stromberg: Verlassenes Kurhotel im Hunsrück

Das Kurhaus Stromberg im Hunsrück blickt auf eine außergewöhnlich wechselvolle Geschichte zurück. Es war Lehrerheim, Hotel, Lazarett, Lungenheilstätte, Erholungsheim, Unterkunft für Aussiedler und schließlich erneut Hotel.

Nach der Insolvenz des letzten Betreibers begann der Verfall des denkmalgeschützten Gebäudes. Als ich das verlassene Kurhotel im Jahr 2010 fotografierte, erinnerten zahlreiche Details noch an seine unterschiedlichen Nutzungen.

Die Planung des Kurhauses Stromberg

Am Anfang des 20. Jahrhunderts suchte der Rheinische Provinzial-Lehrerverband nach einem Standort für ein eigenes Erholungsheim. Stromberg erschien aufgrund seiner Landschaft, seines Klimas und der Anbindung durch die Hunsrückbahn als besonders geeignet.

Die Stadt unterstützte das Vorhaben und stellte dem Verband ein Grundstück sowie angrenzende Waldflächen zur Verfügung. Am 14. April 1914 wurde der Grundstein gelegt. Der Beginn des Ersten Weltkriegs verzögerte jedoch die Fertigstellung des Gebäudes erheblich.

Der fünfgeschossige Bau entstand im Heimatstil und erhielt ein markantes Mansardwalmdach. Eine Zentralheizung, Warmwasserversorgung und doppelt verglaste Fenster gehörten für die damalige Zeit zu einer fortschrittlichen Ausstattung.

Quelle: Kurhaus Stromberg: Planung und Baugeschichte

Eröffnung als Lehrerheim und Hotel

Am 1. April 1921 wurde das Kurhaus schließlich eröffnet. Rund 60 Zimmer boten Platz für ungefähr 100 Gäste. Neben den Zimmern verfügte das Haus über einen Speisesaal, Gesellschaftsräume, eine Bibliothek, Terrassen und mehrere gastronomische Bereiche.

Im Untergeschoss befand sich die aufwendig gestaltete Deutsche-Michel-Stube. Holzvertäfelungen, regionale Wappen und ein Relief des in Stromberg geborenen Reitergenerals Hans Michael Elias von Obentraut prägten den Raum.

Obwohl das Gebäude als Erholungsheim für Lehrer errichtet worden war, standen Hotel und Restaurant auch anderen Besuchern offen. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus von verschiedenen Pächtern geführt.

Quelle: Kurhaus Stromberg: Eröffnung und Ausstattung

Vom Lazarett zur Lungenheilstätte

Während des Zweiten Weltkriegs endete der reguläre Hotelbetrieb. Das Kurhaus diente als Ausweichlazarett für Einrichtungen aus Koblenz und Bad Kreuznach.

Nach Kriegsende wurde das Gebäude zunächst von amerikanischen und anschließend von französischen Besatzungstruppen genutzt. Ab 1946 befand sich darin eine Lungenheilstätte für entlassene deutsche Kriegsgefangene. Später nahm sie auch andere Lungenkranke aus Rheinland-Pfalz auf.

Im Jahr 1953 wurde das Gebäude an den Lehrerverband zurückgegeben. Der erneute Hotel- und Restaurantbetrieb erwies sich jedoch als wirtschaftlich schwierig.

Quelle: Kurhaus Stromberg: Nutzung während und nach dem Krieg

Das Kurhaus Oberpräsident Dr. Fuchs

Im April 1955 kaufte der Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Roten Kreuzes das Anwesen. Nach einer Sanierung wurde es als Kurhaus Oberpräsident Dr. Fuchs wiedereröffnet.

Während der Sommermonate empfing das Haus Hotelgäste. Im Winter nutzte das Deutsche Rote Kreuz die Räume für Schulungen. Außerdem fanden hier Jagdfeste statt, an denen auch Politiker wie Bundesaußenminister Heinrich von Brentano und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Peter Altmeier teilnahmen.

Ab 1960 wurde das Gebäude als geschlossenes Erholungsheim verschiedener Sozialversicherungsträger geführt. Dafür entstanden ein Badehaus, ein Wassertretbecken und eine Gymnastikhalle. Später kamen ein Schwimmbad, eine Sauna, Behandlungsräume und private Badezimmer in den Gästezimmern hinzu.

Quellen: Kurhaus Stromberg: Zeit des Deutschen Roten Kreuzes | Allgemeine Zeitung: Vom Kurhotel zur Ruine

Aussiedlerwohnheim und letzte Hoteljahre

Aufgrund rückläufiger Kuraufenthalte wurde der Erholungsbetrieb Anfang der 1980er-Jahre eingestellt. Ab 1989 nutzte das Land das frühere Kurhaus als Übergangswohnheim für Aussiedler aus Osteuropa und Flüchtlinge aus der DDR.

Nach der Schließung des Wohnheims im Jahr 1994 gelangte das Anwesen in private Hände. Zwei Jahre später entstand ein Seminar- und Schulungszentrum. Zimmer, Restaurant, Sauna, Solarium und Schwimmbad wurden erneut genutzt.

Ab 1998 versuchte der Betreiber, mit ungewöhnlichen Anwendungen wie Bädern in Jungbier neue Gäste anzulocken. Der erhoffte wirtschaftliche Erfolg blieb jedoch aus. Im Juli 2000 meldete die Betreibergesellschaft Insolvenz an. Seit 2001 steht das Kurhaus leer.

Quelle: Kurhaus Stromberg: Aussiedlerwohnheim und letzte Nutzung

Der Verfall des Kurhauses

Nach dem Ende des Betriebs verursachten Frost und Rohrbrüche erhebliche Schäden. Feuchtigkeit und Schimmel breiteten sich aus. Gleichzeitig wurden Teile der Einrichtung gestohlen oder durch Vandalismus zerstört.

Nicht nur das Gebäude, sondern auch der zugehörige historische Park steht unter Denkmalschutz. Eine von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz beauftragte Untersuchung dokumentierte die noch vorhandenen Strukturen der früheren Parkanlage.

Mehrere Pläne zur Sanierung und neuen Nutzung des Areals scheiterten. Der schlechte Zustand des Gebäudes und die denkmalrechtlichen Anforderungen erschwerten eine wirtschaftliche Wiederbelebung.

Quellen: Claudia Grossbach Freiraumplanung: Gartenhistorische Untersuchung | Allgemeine Zeitung: Zukunft des Kurhauses

Brandstiftung im Jahr 2016

Am Morgen des 8. Oktober 2016 brach im Kurhaus ein schweres Feuer aus. Der Brand zerstörte große Teile des Foyers und des früheren Gastronomiebereichs. Die Ermittlungen ergaben, dass das Feuer vorsätzlich an mehreren Stellen gelegt worden war.

Seit dem Brand gilt das Gebäude als einsturzgefährdet. Fensteröffnungen und Eingänge der unteren Etagen wurden später zugemauert. Damit veränderte sich das Erscheinungsbild des Lost Places deutlich gegenüber dem Zustand während meines Besuchs.

Quellen: Rhein-Zeitung: Brandstiftung im Kurhaus Stromberg | Allgemeine Zeitung: Brandschäden und Zukunftspläne

Mein Besuch 2010

Als ich das Kurhaus Stromberg 2010 fotografierte, war das Gebäude bereits seit mehreren Jahren verlassen. Trotzdem ließen sich seine frühere Größe und die repräsentative Gestaltung noch deutlich erkennen.

Die langen Flure, alten Gästezimmer und verlassenen Gemeinschaftsräume vermittelten einen Eindruck von den verschiedenen Epochen des Hauses. Besonders eindrucksvoll waren die Überreste der früheren Hotel- und Kureinrichtungen.

Meine Fotografien entstanden mehrere Jahre vor dem verheerenden Brand von 2016. Dadurch zeigen sie Bereiche und Details des Kurhauses, die später schwer beschädigt oder vollständig zerstört wurden.

Atmosphere / Atmosphäre
45%
Risk / Gefahr
7%
Vandalism / Vandalismus
48%
Decay / Verfall
31%

Germany, visited in 2010

Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.

This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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