Das Kongresshaus Bad Gastein erhebt sich mitten im historischen Zentrum des österreichischen Kurortes. Der monumentale Betonbau bildet einen starken Gegensatz zu den Grandhotels und Häusern aus der Belle Époque, die das Ortsbild rund um den berühmten Wasserfall prägen.
Im Inneren befinden sich ein großer Veranstaltungssaal, weitläufige Foyers, Rolltreppen, Gastronomiebereiche und ehemalige Geschäftslokale. Seit der Schließung im Jahr 2007 stehen diese Räume weitgehend leer.
In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Bad Gastein, sich als moderner Kur-, Wintersport- und Kongressort neu zu positionieren. Das neue Kongresshaus sollte diesen Wandel sichtbar machen.
Geplant wurde das Gebäude vom Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer. An seinem Standort befand sich zuvor die alte Wandelbahn des Kurortes. Das Kongresszentrum wurde schließlich im Jahr 1974 fertiggestellt.
Mit seiner modernen Formensprache unterschied sich der Neubau deutlich von der historischen Architektur Bad Gasteins. Gleichzeitig passte Garstenauer das große Gebäude an den steilen Hang und die besondere Topografie des Ortszentrums an.
Quellen: Wikipedia: Kongresshaus Bad Gastein | ORF Salzburg: Architektur und Geschichte des Kongresshauses
Das Kongresshaus gilt als bedeutendes Beispiel des Brutalismus. Der Begriff leitet sich vom französischen Ausdruck „béton brut“ ab und bezeichnet die sichtbare Verwendung von unbearbeitetem Beton.
Gerhard Garstenauer kombinierte die massive Betonkonstruktion mit großen Glasflächen und zahlreichen Elementen aus heimischem Holz. Dadurch entstand im Inneren eine ungewöhnliche Verbindung aus monumentaler Architektur und warmer Raumgestaltung.
Der große Veranstaltungssaal bildete das Zentrum des Gebäudes. Daneben gab es mehrere Foyers, Aufenthaltsbereiche, Gastronomie, eine Küche und kleinere Veranstaltungsräume. Rolltreppen verbanden die verschiedenen Ebenen miteinander.
Bereits 1973 wurde das Projekt mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet. Im Jahr 1975 erhielt Gerhard Garstenauer für das Kongresshaus außerdem den erstmals verliehenen Architekturpreis des Landes Salzburg.
Quellen: Wikipedia: Architektur und Auszeichnungen | Wikipedia: Österreichischer Bauherrenpreis 1973 | ORF Salzburg: Gerhard Garstenauer und der Brutalismus
Das Kongresshaus bot Bad Gastein Raum für Tagungen, Konzerte, gesellschaftliche Veranstaltungen und große Abendprogramme. Der Saal mit seinen langen Reihen roter Sitzplätze konnte ein großes Publikum aufnehmen.
Einer der bekanntesten Auftritte fand am 31. Dezember 1982 statt. An diesem Abend trat die amerikanische Sängerin und Schauspielerin Liza Minnelli gemeinsam mit einer Big Band im Kongresshaus auf. Die Silvestergala wurde von Fernsehsendern in verschiedene Länder übertragen.
Neben dem eigentlichen Kongressbetrieb beherbergte der Gebäudekomplex auch gastronomische Einrichtungen und Geschäftslokale. Dazu kamen Bar- und Nachtclubbereiche, die den Besuchern Unterhaltung außerhalb der Veranstaltungen boten.
Quelle: ORF Salzburg: Veranstaltungen und Auftritt von Liza Minnelli
Mit dem wirtschaftlichen Wandel Bad Gasteins verlor das große Kongresszentrum zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig verursachten die gewaltige Gebäudefläche und die aufwendige Technik hohe Betriebs- und Heizkosten.
Im Januar 2007 wurde der Betrieb für Kongresse und Veranstaltungen eingestellt. Auch die Mietverträge mehrerer Geschäftslokale wurden beendet. Seitdem blieb ein großer Teil des Gebäudes ungenutzt.
Ohne einen dauerhaften Betrieb verschlechterte sich der Zustand des Kongresshauses. Wasser drang durch undichte Bereiche des Daches ein. Feuchtigkeit, Schimmel, Moose und erste kalkhaltige Ablagerungen breiteten sich innerhalb der Konstruktion aus.
Quellen: Wikipedia: Einstellung des Kongressbetriebs | ORF Salzburg: Schäden und jahrelanger Leerstand
Das Kongresshaus ging zunächst in den Besitz des Wiener Investors Franz Duval über. Im Jahr 2013 übernahm dessen Sohn Philippe Duval das Anwesen.
Während des Leerstands blieb die ursprüngliche Einrichtung zunächst in vielen Bereichen erhalten. Später wurden verschimmelte Teppichböden, Möbel und massive hölzerne Zwischenwände aus dem Gebäude entfernt und entsorgt.
Verschiedene Pläne sahen unter anderem ein neues Altstadtzentrum oder eine Seilbahnstation auf dem Kongresshaus vor. Eine konkrete und wirtschaftlich tragfähige Wiederbelebung wurde jedoch nicht umgesetzt.
Die massive Betonkonstruktion besitzt nach Einschätzung von Fachleuten weiterhin eine hohe Stabilität. Gleichzeitig gilt das Gebäude als architektonisch bedeutend. Seit 2022 wird das Kongresshaus in den Denkmallisten des Bundesdenkmalamts geführt.
Quellen: ORF Salzburg: Eigentümer, Räumung und Zukunftspläne | Wikipedia: Eigentumsverhältnisse und Denkmalschutz
Rund um den historischen Ortskern von Bad Gastein wurden inzwischen mehrere bedeutende Gebäude saniert und wiedereröffnet. Für das Kongresshaus fehlt dagegen weiterhin eine dauerhafte Lösung.
Die enorme Größe des Gebäudes erschwert eine wirtschaftliche Nutzung. Eine Sanierung würde hohe Investitionen erfordern. Danach blieben weiterhin beträchtliche Kosten für Heizung, Technik und laufenden Betrieb.
Gleichzeitig ist das Kongresshaus ein wichtiges Zeugnis der österreichischen Nachkriegsmoderne. Ein Abriss würde deshalb nicht nur das Zentrum Bad Gasteins verändern, sondern auch ein bedeutendes Werk Gerhard Garstenauers beseitigen.
Quellen: ORF Salzburg: Debatte über die Zukunft des Kongresshauses | Wikipedia: Kongresshaus Bad Gastein
Ich besuchte das Kongresshaus Bad Gastein im Jahr 2014. Zu diesem Zeitpunkt waren viele Teile der ursprünglichen Einrichtung noch vorhanden. Dadurch ließ sich die frühere Funktion der einzelnen Bereiche deutlich erkennen.
Besonders beeindruckend war der große Veranstaltungssaal. Unzählige rote Sitzplätze richteten sich auf die leere Bühne. Obwohl kein Publikum mehr anwesend war, wirkte der Raum noch immer so, als könnte die nächste Veranstaltung jeden Moment beginnen.
In den weitläufigen Foyers standen rote Sessel auf abgenutzten Teppichböden. Die Rolltreppen waren längst stillgelegt. Hinweisschilder zu Garderobe, Toiletten und Aufgängen erinnerten jedoch weiterhin an die Wege der früheren Besucher.
Auch die gastronomischen Bereiche waren noch gut zu erkennen. Hinter den Theken standen Barhocker, während in den Lagerräumen Geschirr und Küchenutensilien zurückgeblieben waren. Ein dunkler Nachtclub mit Bar und Tanzfläche bildete einen starken Gegensatz zu den helleren Foyers.
Das Kongresshaus war kein klassischer Altbau. Dennoch besaß es eine außergewöhnliche Atmosphäre. Seine klare Formensprache, die gewaltigen Dimensionen und die Mischung aus Beton, Holz und roten Stoffen machten diesen Besuch für mich besonders eindrucksvoll.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.