Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Johanniter-Heilstätte Sorge: Verfallenes Sanatorium im Harz

Auf dem Ochsenberg zwischen Sorge und Hohegeiß im Harz liegt die ehemalige Johanniter-Heilstätte Sorge. Die Anlage wurde 1902 als Lungenheilstätte eröffnet, später zu einem modernen Lungenkrankenhaus erweitert und ab 1968 von der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen der DDR als Kurheim genutzt.

Mein Besuch fand im Jahr 2015 statt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gebäude bereits stark vom Verfall geprägt. In den langen Fluren, Treppenhäusern und ehemaligen Patientenzimmern waren die Spuren der medizinischen Nutzung und der späteren DDR-Zeit jedoch noch deutlich erkennbar.

Heute befindet sich die Johanniter-Heilstätte in privater Verwaltung. Das Gelände ist nicht frei zugänglich, aktuelle Besucherberichte zeigen jedoch, dass Besichtigungen nach vorheriger Kontaktaufnahme weiterhin möglich sind. Die genaue Lage, Koordinaten und detaillierte Zugangshinweise werden nicht veröffentlicht.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge | t-online: Ehemalige Heilstätte darf legal besucht werden

Bau auf dem Ochsenberg

Die Geschichte der Heilstätte begann mit einer großzügigen Spende von Werner von Seebach aus Langensalza im Jahr 1895. 1899 beschloss das Januarkapitel des Johanniterordens den Bau einer modernen Lungenheilstätte für zunächst 60 weibliche Patienten.

Als Standort wurde der Südhang des 562 Meter hohen Ochsenberges ausgewählt. Die Lage im dichten Fichtenwald und die besonderen klimatischen Bedingungen galten damals als günstig für die Behandlung von Lungenerkrankungen. Das rund 45 Morgen große Grundstück wurde zunächst für 50 Jahre gepachtet.

Die Planung übernahmen die Architekten Heino Schmieden und Julius Boethke. Der Bau war aufgrund des felsigen Geländes aufwendig. Die Mauern wurden bis zum dritten Geschoss aus massivem Granit errichtet.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge | Wikipedia: Julius Boethke

Eine Lungenheilstätte für Frauen

Am 26. Juni 1902 wurde die neue Heilstätte feierlich eingeweiht. Im August desselben Jahres nahm sie die ersten Patientinnen auf. Die Behandlung orientierte sich an den damaligen Konzepten der Freiluft- und Liegekuren.

Der Gebäudekomplex bestand aus zwei äußeren Flügeln und einem zentralen Bau. Im Obergeschoss des Mittelbaus befand sich eine Kirche. Chor und Glockenturm prägten das äußere Erscheinungsbild. Südlich ausgerichtete Liegehallen ermöglichten den Patientinnen den Aufenthalt an der frischen Luft.

Die Krankenzimmer waren hell und nach Süden ausgerichtet. Zur Ausstattung gehörten außerdem ein Wintergarten, eine Bibliothek sowie mehrere Aufenthalts- und Tagesräume. Bereits 1903 entstanden ein Wohnhaus für den Chefarzt, ein Wirtschaftsgebäude und die ersten Waldliegehallen.

1906 wurde die Heilstätte an das Elektrizitätswerk in Benneckenstein angeschlossen. Gleichzeitig erhöhte sich die Bettenzahl von 60 auf 72.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge | Wikipedia: Julius Boethke

Medizinischer Fortschritt und Ausbau

Ab 1908 leitete Dr. Hans Pigger die Heilstätte. Unter seiner Leitung wurde die medizinische Ausstattung weiter modernisiert. Bereits 1909 verfügte die Einrichtung über Röntgentechnik und Pneumothorax-Apparate. Damit gehörte sie zu den frühen Einrichtungen in Deutschland, in denen moderne Verfahren zur Behandlung schwerer Lungenerkrankungen eingesetzt wurden.

Die Therapie bestand weiterhin aus Ruhe, Bewegung und längeren Aufenthalten im Freien. 1926 wurde das Grundstück endgültig erworben. 1927 folgte eine bedeutende Erweiterung mit zusätzlichen Patientenzimmern und einer neuen medizinischen Abteilung. Moderne Operationsräume ermöglichten nun auch Eingriffe im Bereich der Thoraxchirurgie.

Aus der ursprünglichen Heilstätte entwickelte sich ein leistungsfähiges Lungenkrankenhaus. Die Kapazität wuchs im Laufe der folgenden Jahrzehnte auf bis zu 180 Betten. Noch bis 1951 wurden Lungenoperationen durchgeführt.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge | Checkbar: Johanniter-Heilstätte in Sorge

Vom Lungensanatorium zum NVA-Kurheim

Mit dem Rückgang der Tuberkulose sanken die Belegungszahlen. Ab 1962 wurden deshalb auch männliche Patienten aufgenommen. Die Behandlung von Lungenerkrankungen blieb jedoch immer stärker hinter den veränderten medizinischen und politischen Rahmenbedingungen zurück.

Am 31. Dezember 1967 endete der Betrieb als diakonische Heilstätte. Ab 1968 nutzten die Nationale Volksarmee und die Grenztruppen der DDR die Gebäude als Kur- und Erholungsheim mit ungefähr 150 Plätzen.

Behandelt wurden unter anderem Wirbelsäulenleiden sowie Herz- und Kreislauferkrankungen. Das Haus lag nur wenige hundert Meter von der innerdeutschen Grenze entfernt und befand sich im streng überwachten Sperrgebiet. Das gesamte Gelände war deshalb mit einem Sicherheitszaun umgeben. Der frühere Kirchenraum wurde während dieser Zeit als Kinosaal genutzt.

Die Nutzung durch NVA und Grenztruppen endete nach der politischen Wende. Bis 1991 war die Anlage noch in den bestehenden Vertragsverhältnissen eingebunden.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge | Checkbar: Johanniter-Heilstätte in Sorge

Rückübertragung und gescheiterte Nachnutzungen

Nach der Wiedervereinigung übernahm zunächst die Bundeswehr die Rechtsnachfolge der NVA. Da kein eigenes Interesse an der weiteren Nutzung bestand, wurde das Gelände 1992 an den Johanniterorden zurückübertragen.

Eine erneute Nutzung als Klinik erwies sich jedoch als zu teuer. Für eine Anpassung an westdeutsche Klinikstandards wären umfangreiche Investitionen notwendig gewesen. Auch die Überlegungen, ein Kinderheim, ein SOS-Kinderdorf oder ein Müttergenesungsheim einzurichten, führten zu keiner Lösung.

Ein Kaufinteressent bot zwei Millionen D-Mark für das Gelände. Der Johanniterorden erwartete jedoch mindestens drei Millionen D-Mark. Der Verkauf kam nicht zustande. Damit begann eine lange Phase des Leerstands, in der Witterung, Vandalismus und fehlende Instandhaltung den Verfall beschleunigten.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge | Reisereporter: Die ehemalige Lungenheilstätte von Sorge

Jens und das Lost Place Erlebniscamp

Zur jüngeren Geschichte der Johanniter-Heilstätte gehört auch Jens. Als damaliger Pächter, Hausmeister und Betreuer des Geländes kümmerte er sich über Jahre um die Anlage und ermöglichte geführte Besichtigungen und Fototermine.

Jens betrieb außerdem ein Schlittenhunde-Erlebniscamp mit Huskys. Er bot Schlittenhundefahrten an und nutzte das Gelände auch für das Training von Hundestaffeln, unter anderem für die Feuerwehr und andere Einsatzbereiche.

Er hatte viel Zeit, Arbeit und persönliches Engagement in dieses Projekt investiert. Für ihn war die Johanniter-Heilstätte nicht einfach nur ein verlassener Gebäudekomplex. Er kannte die Geschichte des Ortes, wies auf gefährliche Bereiche hin und nahm sich Zeit, Besuchern die Besonderheiten der Anlage zu erklären.

Während dieser Zeit habe ich dort ein Fotografentreffen organisiert. Für die Teilnehmer war es etwas Besonderes, diesen außergewöhnlichen Ort gemeinsam und mit einer verantwortungsvollen Betreuung fotografisch zu dokumentieren.

Im April 2019 kam Jens bei einem tragischen Unfall ums Leben. Er wollte einen Gabelstapler auf seinem Grundstück abstellen. Das Fahrzeug geriet in eine Senke, stieß gegen einen Baum und kippte um. Jens wurde darunter eingeklemmt und starb trotz der Reanimationsversuche an seinen Verletzungen. Es war ein tragischer Unfall bei einer alltäglichen Arbeit.

Mit seinem Tod endete die von ihm aufgebaute Verbindung aus Schlittenhunde-Erlebniscamp, Geländebetreuung und organisierten Fototerminen. Die heutige Verwaltung ermöglicht inzwischen wieder Besichtigungen unter eigenen Bedingungen, doch Jens’ persönliches Projekt besteht in dieser Form nicht mehr.

Quellen: t-online: Tödlicher Gabelstaplerunfall in Sorge | Der Eseltreiber: Lost Place im Winterwunderland | Checkbar: Johanniter-Heilstätte in Sorge

Verfall, Brand und Filmkulisse

Ein größerer Brand im Jahr 2007 verstärkte den bereits bestehenden Verfall. Dächer wurden beschädigt, Fenster zerbrachen und die Innenräume waren zunehmend der Witterung ausgesetzt. Wasser- und Elektroleitungen sowie große Teile der ursprünglichen Einrichtung wurden entfernt.

2016 diente die Johanniter-Heilstätte als Drehort für den Horrorfilm Ostzone. Der Film erzählt eine fiktive Geschichte, nutzt aber die eindrucksvolle Architektur und die verlassene Atmosphäre des ehemaligen Sanatoriums als Kulisse.

Aktuelle Besucherberichte beschreiben beschädigte Dächer, zerbrochene Fenster, morsche Böden und teilweise eingestürzte Innenbereiche. Gleichzeitig wird immer wieder auf starken Vandalismus hingewiesen. Dadurch ist das ursprüngliche Lost-Place-Gefühl an manchen Stellen nur noch eingeschränkt vorhanden.

Quellen: Checkbar: Johanniter-Heilstätte in Sorge | t-online: Ehemalige Heilstätte darf legal besucht werden

Architektur und Atmosphäre

Die massive Granitbauweise verleiht der Johanniter-Heilstätte bis heute eine besondere Wirkung. Der zentrale Gebäudeteil mit seiner früheren Kirche, die beiden Seitenflügel und die langen Verbindungsgänge lassen die ursprüngliche Größe der Anlage noch erkennen.

In den Innenräumen wechseln sich lange Flure, alte Treppenhäuser, große Fenster und verlassene Zimmer ab. Abblätternder Putz, beschädigte Decken, Bauschutt und die zurückkehrende Vegetation prägen die Atmosphäre. Zwischen den Spuren des Verfalls ist noch immer erkennbar, dass dieser Ort ursprünglich für Heilung, Ruhe und medizinischen Fortschritt geschaffen wurde.

Quellen: Wikipedia: Johanniter-Heilstätte Sorge

Der heutige Zustand

Die Johanniter-Heilstätte steht weiterhin als stark verfallener Gebäudekomplex auf dem Ochsenberg. Das Gelände befindet sich in privater Verwaltung und ist nicht frei zugänglich. Nach aktuellen Besucherberichten sind Besichtigungen nach vorheriger Kontaktaufnahme jedoch weiterhin möglich.

Die heutigen Betreiber werden in mehreren Rezensionen als freundlich beschrieben. Gleichzeitig weisen Besucher auf die erheblichen Gefahren durch morsche Böden, lose Bauteile und teilweise eingestürzte Bereiche hin. Ein Besuch erfolgt ausschließlich unter den Bedingungen der Verwaltung und auf eigene Gefahr.

Die Fotos dieses Portfolios zeigen den Zustand meines Besuchs im Jahr 2015. Seitdem hat sich der Verfall weiter verstärkt. Die Anlage bleibt dennoch ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Medizin-, DDR- und Grenzgeschichte. Auch die Erinnerung an Jens gehört inzwischen zur Geschichte dieses Ortes.

Die genaue Telefonnummer, Preise und detaillierte Zugangshinweise veröffentliche ich nicht.

Quellen: Reisereporter: Die ehemalige Lungenheilstätte von Sorge | t-online: Ehemalige Heilstätte darf legal besucht werden

Mein Besuch 2015

2015 habe ich die Johanniter-Heilstätte Sorge besucht und dort ein Fotografentreffen organisiert. Besonders beeindruckt haben mich die massiven Granitfassaden, die langen Flure und die stille Lage mitten im Harzer Wald.

Dass Jens uns damals den Zugang ermöglichte, das Gelände betreute und sein Wissen über die Heilstätte teilte, gehört für mich untrennbar zu diesem Besuch. Er hatte viel Zeit und Energie in das Projekt investiert und aus einem verlassenen Ort einen Platz gemacht, an dem verantwortungsvolle fotografische Dokumentation möglich war.

Wenn ich heute an die Bilder zurückdenke, sehe ich deshalb nicht nur Verfall, leere Räume und beschädigte Fassaden. Ich denke auch an Jens, an seine Huskys und an den Menschen, der diesen Ort über Jahre mit Leben gefüllt hat.

Atmosphere / Atmosphäre
56%
Risk / Gefahr
16%
Vandalism / Vandalismus
9%
Decay / Verfall
71%

Germany, visited in 2015

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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