Das Hotel Fürstenhof im Südviertel von Eisenach war einst Kurhotel, Großveranstaltungsort und später als „Hotel Stadt Eisenach“ bekannt. Meine Fotografien entstanden 2012, sechzehn Jahre nach dem Ende des Hotelbetriebs. Heute ist auch der Fürstenhof selbst Geschichte: 2026 begann der Abriss des Gebäudekomplexes. Die Stadt Eisenach erklärte im September, der vollständige Rückbau sei wegen des ruinösen Zustands nicht mehr aufzuhalten.
Die Geschichte des Fürstenhofs begann lange vor der Eröffnung des Hotels. 1854 ließ der Eisenacher Fleischermeister Samuel Liebetrau ein Sommerhaus errichten. Der Geologe und Bergbauunternehmer Johann Georg Bornemann kaufte das Haus 1861 und ließ es schrittweise erweitern. Daraus entwickelte sich die sogenannte Villa Bornemann, die später Teil des großen Hotelensembles wurde.
Am 15. Mai 1902 eröffnete nach einem Umbau das „Kurhaus Hotel Fürstenhof“. Die Erweiterung wird den Architekten Georg Unruh und Lorenz Freitag zugeschrieben. Das Hotel war Teil von Eisenachs damaligen Plänen, sich als mondäner Kurort zu etablieren. Sein Festsaal bot bereits zur Eröffnung Platz für rund 1.800 Personen und galt als einer der größten Veranstaltungssäle Thüringens. 1903 kamen eine Kurhausterrasse mit Garagen und ein weiterer Saal hinzu.
Der Fürstenhof war kein einzelnes, einheitlich geplantes Gebäude. Der Komplex wuchs über mehrere Bauphasen und bestand aus verschiedenen miteinander verbundenen Gebäudeteilen. In Gerichtsunterlagen werden neben der Villa Bornemann unter anderem die ehemalige Grottabar, ein kleiner und ein großer Saal sowie ein Foyer aufgeführt. Zum Ensemble gehörte außerdem ein Casino, das in den Hang gebaut war.
Diese gewachsene Anlage spiegelt sich auch in den Räumen meiner Fotos: Auf das großzügige Foyer mit umlaufender Galerie folgen lange Flure, unterschiedliche Treppenhäuser und Zimmer mit Erkern. Besonders auffällig sind die gewendelte Treppe, die Wandvertäfelungen und die großen Kronleuchter im Veranstaltungssaal.
Der ursprüngliche Ballsaal wurde 1928 durch einen Brand zerstört. 1930 entstand ein vereinfachter Wiederaufbau. Der Saal blieb ein wichtiger Veranstaltungsort. In den frühen 1930er Jahren fanden hier auch politische Großveranstaltungen statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Haus zur Versorgung und Erholung verwundeter Soldaten genutzt.
Der Kurbetrieb in Eisenach endete 1938. Der Fürstenhof blieb jedoch ein Hotel und übernahm weiterhin eine wichtige Rolle im städtischen Leben. Nach dem Krieg fanden dort Bälle, Tanzveranstaltungen, Faschingsfeiern, Konzerte und kleinere Messen statt. In den 1950er Jahren wurde das Haus in „Hotel Stadt Eisenach“ umbenannt. Seinen ursprünglichen Namen erhielt es 1991 zurück.
Quellen: Stadt Eisenach: Kurhaus Hotel Fürstenhof und Eisenacher Kurbetrieb | Eisenach Online: Stadtgeschichte und Nutzung des Fürstenhofs | go2know: Chronik des Fürstenhofs | Thüringer Oberverwaltungsgericht: Urteil zum Fürstenhof, 1 KO 156/25
Der Hotelbetrieb endete 1996. Danach blieb der Fürstenhof leer und verfiel zunehmend. Die Stadt und der Eigentümer stritten über Jahre um den Umgang mit dem Gebäudekomplex und den Abriss einzelner Teile. 2021 verpflichtete das Verwaltungsgericht Meiningen die Stadt zunächst, eine erhaltungsrechtliche Genehmigung für den Abriss der westlichen Gebäudeteile zu erteilen. 2025 änderte das Thüringer Oberverwaltungsgericht diese Entscheidung. Dabei ging es um den Anspruch auf eine separate Genehmigung nach der Erhaltungssatzung und um den weiteren baurechtlichen Verfahrensweg.
Im März 2026 wurde der Beginn der Abrissarbeiten gemeldet. In einer Antwort vom 25. September 2026 erklärte die Stadt Eisenach, der Gebäudekomplex sei inzwischen so ruinös, dass sich der vollständige Abriss nicht mehr aufhalten lasse. Meine Fotografien dokumentieren damit einen Zustand, der heute nicht mehr besteht.
Quellen: Verwaltungsgericht Meiningen: Presseerklärung zum Fürstenhof, 2021 | Thüringer Oberverwaltungsgericht: Urteil vom 12.08.2025 | Stadt Eisenach: Sachstand zu Abriss und Entwicklung, 2026 | ahgz: Abriss des Fürstenhofs, 7. März 2026
Als ich den Fürstenhof 2012 besuchte, stand das Hotel bereits seit sechzehn Jahren leer. In den Räumen waren der frühere Veranstaltungscharakter und die großzügige Gestaltung noch deutlich zu erkennen. Besonders der Saal mit Bühne, Galerie und Kronleuchtern sowie die geschwungene Treppe sind auf meinen Bildern festgehalten. Heute zeigen die Aufnahmen einen Teil der Eisenacher Stadtgeschichte, der inzwischen abgerissen wird.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.