Wer vor den Hajmáskér Barracks steht, denkt zuerst an ein Schloss. Der Turm, die Symmetrie und die Dachlandschaft wirken repräsentativ. Tatsächlich gehört dieses Gebäude zu einem der bedeutendsten militärischen Ausbildungs und Kasernenkomplexe der Region rund um Hajmáskér. Heute ist vieles beschädigt, doch die Größe des Ensembles ist noch immer überwältigend.
Laut der kommunalen Unterlage zur gebauten Kulturerbe Bewertung entstand das zentrale, kastellartige Hauptgebäude als militärische Artillerie und Schießschule in den Jahren 1907 bis 1910. Der übergeordnete Ausbau des riesigen Militärareals begann nach einem kaiserlichen Beschluss, der Hajmáskér zu einem zentralen Ausbildungsort machen sollte.
Bereits 1901 kaufte Wien ein Gebiet von 5065 Hektar für 1.800.000 Kronen, um hier Schießplatz, Kaserne und Ausbildungszentrum aufzubauen. Der Komplex wurde in der zeitgenössischen Presse als Soldatenstadt beschrieben.
Das Dokument beschreibt eine geplante, fast eigenständige Stadtstruktur: beleuchtete Straßen, ein Park und ein künstlich angelegtes, von Holzbrücken überspanntes Wassersystem. Innerhalb des Areals standen 60 eigenständige Gebäude, erschlossen über ein geordnetes Straßennetz. Schon diese Zahlen erklären, warum der Ort auf Fotos so monumental wirkt.
Der Bau galt als eines der modernsten Artillerie Kasernenprojekte seiner Zeit. Die Ausführung war 1909 weitgehend abgeschlossen, die offizielle Übergabe und Weihe erfolgte 1911.
In den Jahren des Ersten Weltkriegs entstand neben der Soldatenstadt ein Kriegsgefangenenlager. Genannt werden rund 15.000 festgehaltene Soldaten, darunter Serben, Russen und Italiener. Später diente der Standort in der Zwischenkriegszeit als ausgelagerte Einrichtung der Ludovika Akademie.
Der Text beschreibt den eigentlichen Start der starken Abnutzung in der Zeit der sowjetischen Stationierung. Einheiten der Sowjetischen Südgruppe nutzten die Anlage und änderten Gebäude Funktionen, etwa Kultur und Freizeitnutzungen. Gleichzeitig wird von massiven Eingriffen in die Parkanlage berichtet, inklusive der Veränderung der Vegetation und dem Auffüllen des Wasserbereichs. Spätestens hier verschob sich das Bild vom repräsentativen Ausbildungsort zu einem Ort, der langsam ausfranst.
Der Ort lebt fotografisch von seinen Achsen und Wiederholungen: lange Korridore, Bögen, Treppenhäuser, Fensterreihen. Der zentrale Turm setzt eine klare Dominante und macht das Ensemble sofort erkennbar. In den Innenräumen zeigen abgeplatzte Schichten, offene Decken und Graffiti, wie die Zeit an der Substanz arbeitet. Genau diese Mischung aus Größe und Zerfall macht den Romos Torony so eindringlich.
Quelle: ÖH Épített örökség fejezet, Hajmáskér, 2025 (PDF)
Ich war 2022 vor Ort. Der erste Eindruck war diese irritierende Nähe von Pracht und Aufgabe. Außen wirkt das Hauptgebäude wie eine Machtgeste, innen kippt alles in Stille, Staub und lange Fluchten. Die Treppenhäuser und Durchgänge geben dem Ort eine fast theatralische Tiefe. Der Turm steht dabei wie ein Fixpunkt, als würde er die Zeit festhalten, während der Rest langsam nachgibt.
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