Am Hainberg bei Bad Blankenburg entwickelte sich aus einer kleinen Anlage ein weitläufiges Kur- und Gebäudensemble. Das Sanatorium Schwarzeck wurde später Luftwaffenschule, SED-Parteischule und Hotel. Meine Aufnahmen aus dem Jahr 2012 zeigen die verwitterte Anlage und die Spuren ihrer jüngeren Nutzung, darunter Spielautomaten, Spielkarten und großflächige Wandmalereien.
Die Geschichte des Geländes reicht bis ins Jahr 1872 zurück. Damals gehörte die Turmvilla „Bertha“ zu einer land- und forstwirtschaftlichen Klenganstalt, in der Waldbaumsamen verarbeitet wurden. Ab 1893 entstand auf dem Areal das „Bad Schwarzeck“, zunächst mit Pension, Badebetrieb und einer Kur- und Wasserheilanstalt. Später kamen Hotel- und Gastronomienutzungen hinzu.
Im Oktober 1901 begann der Arzt Paul Wiedeburg gemeinsam mit Partnern mit einer „Kuranstalt mit physikalisch-diätetischen Heilweisen“. Ab 1903 firmierte die Einrichtung als Thüringer Waldsanatorium Schwarzeck. Damit wurde aus dem Kurhaus ein medizinischer Betrieb, der den Namen des Ortes weit über die Region hinaus bekannt machte.
Quellen: Bauhaus-Universität Weimar: Altes Sanatorium Schwarzeck | Greifenstein-Bote: Nutzung und Besitzverhältnisse in „Schwarzeck“
Bis 1925 wurde die Anlage deutlich erweitert. Zu den Bauten und Einrichtungen gehörten ein Speisesaal, ein neues Kurhaus und der sogenannte Camburger Bau. Am Hainberg kamen unter anderem eine Försterei, eine Arztvilla und der Gutshof Weidenhof hinzu. So wuchs das Waldsanatorium über mehrere Bauphasen zu einem Ensemble mit unterschiedlichen Funktionen.
Ein historisches Bilddokument gibt einen Einblick in den damaligen Kuralltag: Das Jüdische Museum Berlin bewahrt eine um 1925 datierte Postkarte, die vermutlich einen Ruheraum im Sanatorium zeigt. Das Museum ordnet die Karte einem Fotoalbum von Erna und Paul Wittkowsky zu und vermerkt einen vierwöchigen Aufenthalt der Familie im Haus. Auch der Maler Marc Chagall wird in einem lokalen Geschichtsbeitrag als Kurgast des Jahres 1923 genannt; ein erhaltenes Gästebuch enthält laut Auktionskatalog eine Chagall-Unterschrift von 1923.
Quellen: Greifenstein-Bote: Nutzung und Besitzverhältnisse in „Schwarzeck“ | Jüdisches Museum Berlin: Bildpostkarte eines vermutlichen Ruheraums im Sanatorium Schwarzeck | Auktionshaus Wendl: Gästebuch Sanatorium Schwarzeck Bad Blankenburg
Nach dem Tod Paul Wiedeburgs im Jahr 1935 wurde das Sanatorium 1937 an das Deutsche Reich verkauft. Der Kurbetrieb lief noch bis 1940. Danach nutzte die Luftwaffe den Gebäudekomplex als ingenieurtechnische Schule. Ab 1944 diente er zusätzlich als Rehabilitationsklinik für verwundete Flieger. Im Frühjahr 1945 wurde Schwarzeck zum Ausweichquartier der Luftkriegsakademie Berlin-Gatow.
Quellen: Greifenstein-Bote: Nutzung und Besitzverhältnisse in „Schwarzeck“
Nach Kriegsende wurde Schwarzeck 1946 und 1947 als Unterkunft für Umsiedler genutzt. Von 1948 bis 1989 folgten verschiedene Parteischulen der SED. Zunächst war eine SED-Landesparteischule untergebracht, zwischen 1952 und 1956 eine Sonderschule zur Ausbildung von Kadern. Von 1956 bis zum Ende der DDR befand sich hier die Bezirksparteischule „Rosa Luxemburg“ der Bezirksleitung Gera.
Auch die Gebäude veränderten sich weiter: Während der Parteischulzeit wurden unter anderem ein Internatsgebäude und später ein Bettenhaus ergänzt. Der Komplex blieb damit erneut über Jahrzehnte eine abgeschlossene Ausbildungsstätte.
Quellen: Greifenstein-Bote: Nutzung und Besitzverhältnisse in „Schwarzeck“ | Bauhaus-Universität Weimar: Altes Sanatorium Schwarzeck
Nach der politischen Wende wurde der Gebäudekomplex als Hotel- und Gastronomiebetrieb weitergenutzt. In den frühen 1990er-Jahren gab es dort ein Restaurant, ein Café, einen Bierkeller, Dienstleistungsräume und einen Vergnügungstrakt mit Spielcasino und Diskothek. Der Hoteltrakt bot laut Greifenstein-Bote 400 Betten. Die Spielhalle und die Spielautomaten, die auf meinen Fotos zu sehen sind, gehören zu diesen späteren Nutzungsspuren.
Zwischen 2000 und 2003 diente das Schwarzeck während der Sanierung der Sportschule als Ausweichquartier. Danach begann der Leerstand. Die Bauhaus-Universität Weimar beschrieb 2022 die Folgen von rund zwei Jahrzehnten Leerstand: Diebstahl, Brandstiftung und fortschreitender Verfall hatten die Gebäude bereits stark verändert.
Quellen: Greifenstein-Bote: Nutzung und Besitzverhältnisse in „Schwarzeck“ | Bauhaus-Universität Weimar: Altes Sanatorium Schwarzeck
Im Februar 2026 wurden bei einer Stadtratssitzung Pläne für eine mögliche langfristige Sanierung vorgestellt. Eine Handwerkerfamilie aus Bayern möchte den Komplex dem MDR zufolge über etwa 15 Jahre entwickeln und dabei Wohnungen, ein Museum und Ferienunterkünfte schaffen. Das sind Zukunftspläne; die Meldung beschreibt keine bereits abgeschlossene Sanierung.
Quellen: MDR Thüringen: Neue Pläne für Schwarzeck in Bad Blankenburg
Bei meinem Besuch 2012 trafen die verwitterte Architektur und die Überreste der jüngeren Hotel- und Freizeitnutzung unmittelbar aufeinander. Zwischen Spielautomaten, Eintrittskarten und farbigen Graffiti waren zugleich die älteren Räume, Türen, Fenster und Treppen des gewachsenen Ensembles zu sehen. Gerade dieser Kontrast macht die wechselvolle Geschichte des Sanatoriums in der Galerie sichtbar.
Die Fotos dokumentieren den Zustand im Jahr 2012 und sagen nichts über heutige Zutrittsmöglichkeiten aus. Der Verein Schwarzeckfreunde nennt geführte Besichtigungen von Teilen des Objekts. Bitte das Gelände nur mit Genehmigung oder im Rahmen einer offiziellen Führung besuchen.
Quellen: Schwarzeckfreunde e.V.: Informationen zum Sanatorium Schwarzeck | Greifenstein-Bote: Nutzung und Besitzverhältnisse in „Schwarzeck“
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.
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