Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Gerresheimer Glashütte Düsseldorf – Lost Place der Glasindustrie

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Die ehemalige Gerresheimer Glashütte in Düsseldorf-Gerresheim war über viele Jahrzehnte ein bedeutender Standort der deutschen Glasindustrie. Auf dem weitläufigen Werksgelände wurden Flaschen, Konservengläser und weitere Glasprodukte hergestellt.

Meine Aufnahmen zeigen die stillgelegte Glashütte im Jahr 2010. Zu diesem Zeitpunkt waren zahlreiche Produktions- und Technikräume noch zugänglich und in einem ungewöhnlich vollständigen Zustand erhalten.

Von der kleinen Glasfabrik zum Weltunternehmen

Die Geschichte der Glashütte begann im Jahr 1864. Der Bremer Kaufmann Ferdinand Heye gründete die Fabrik in unmittelbarer Nähe des Gerresheimer Bahnhofs. Die Lage war für den Betrieb ideal: Rohstoffe wie Quarzsand, Soda, Kalk und Steinkohle konnten einfach angeliefert werden, während die fertigen Glasprodukte über die Eisenbahn weitertransportiert wurden.

Am Anfang standen lediglich ein Schmelzofen und zwölf angeworbene Glasmacher. Bereits 1865 beschäftigte die Glashütte 88 Arbeiter und produzierte rund 800.000 Flaschen pro Jahr. Mit der Einführung größerer Wannenöfen und später automatisierter Produktionsverfahren wuchs das Werk schnell.

Quelle: Rheinische Industriekultur: Glashütte Gerresheim | Gerresheimer: Unternehmensgeschichte

Automatisierung und industrielle Größe

Im Jahr 1888 wurde die Glashütte in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Schon bald entwickelte sich Gerresheim zu einem der wichtigsten Standorte der Flaschenglasproduktion. Im Jahr 1902 arbeiteten hier rund 5.300 Menschen und stellten mehr als 150 Millionen Flaschen her.

Ein entscheidender Wendepunkt war die Einführung der Owens-Maschine im Jahr 1908. Die automatische Flaschenproduktion veränderte den Arbeitsalltag grundlegend und steigerte die Produktionsleistung erheblich. Das gekrönte „G“ und die Marke Gerrix-Glas wurden später zu bekannten Erkennungszeichen der Gerresheimer Glashütte.

Die Größe des Unternehmens prägte auch den Stadtteil. Für die Beschäftigten entstanden Werkssiedlungen und soziale Einrichtungen. Rund um die Glashütte entwickelte sich eine eigene Gemeinschaft, deren Spuren bis heute in Gerresheim sichtbar sind.

Quelle: Rheinische Industriekultur: Glashütte Gerresheim | LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte: Hötter Platt

Energiezentrale, Kesselhaus und Gerrix-Turm

Die Glashütte war nicht nur eine Ansammlung von Produktionshallen. Zum Werk gehörten eigene Energie- und Versorgungseinrichtungen, die den industriellen Betrieb ermöglichten. Besonders eindrucksvoll sind die ehemalige Elektrozentrale und das Kesselhaus.

Die Elektrozentrale entstand in mehreren Bauphasen ab 1906 und wurde 1925 erweitert. Das Kesselhaus stammt aus dem Jahr 1923. Gemeinsam dokumentieren die Gebäude die technische Entwicklung der Energieversorgung im frühen 20. Jahrhundert.

Ein weiteres Wahrzeichen war der 1966 errichtete Gerrix-Turm mit dem markanten gekrönten „G“. Der weithin sichtbare Turm verband funktionale Technik mit einer ungewöhnlichen Industriearchitektur und wurde zum Symbol der Glashütte.

Quelle: Rheinische Industriekultur: Glashütte Gerresheim

Das Ende der Produktion

Nach einer langen Wachstumsphase geriet die Glashütte zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Eine allgemeine Marktsättigung, wechselnde Eigentümer und Überkapazitäten führten zu Produktionskürzungen und einem deutlichen Personalabbau.

Am 31. August 2005 wurde die Glasproduktion in Düsseldorf-Gerresheim nach 141 Jahren endgültig eingestellt. Damit endete die Geschichte eines Werkes, das den Stadtteil Gerresheim und die Düsseldorfer Industriegeschichte entscheidend geprägt hatte.

Quelle: Rheinische Industriekultur: Glashütte Gerresheim | Landeshauptstadt Düsseldorf: Glasmacherviertel

Ein Blick in die verlassene Glashütte

Die Fotografien zeigen die Glashütte nicht nur als leere Fabrikhalle. In den Räumen waren noch zahlreiche Spuren des früheren Arbeitsalltags zu finden: alte Telefone, technische Handbücher, Arbeitsunterlagen, Flaschen, Schaltschränke, Ventile und zurückgelassene Werkzeuge.

Besonders eindrucksvoll sind die großen technischen Räume mit ihren Rohrleitungen, Kesseln und Bedienfeldern. Zwischen den rostenden Anlagen wirken die persönlichen Gegenstände fast wie eingefrorene Momentaufnahmen aus dem letzten Betriebsjahrzehnt.

Der Verfall hatte 2010 bereits deutliche Spuren hinterlassen. Abblätternde Farbe, Staub, beschädigte Fenster und rostende Konstruktionen standen einer noch erstaunlich gut erhaltenen technischen Ausstattung gegenüber.

Das Glasmacherviertel heute

Das ehemalige Werksgelände wird heute unter dem Namen Glasmacherviertel städtebaulich neu entwickelt. Geplant ist ein urbanes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe, Dienstleistungen, Grünflächen und dem Düsselpark.

Als sichtbare Erinnerung an die industrielle Vergangenheit sollen die denkmalgeschützte Elektrozentrale, das Kesselhaus, das Heyebad und der Glasturm erhalten bleiben. So soll die Geschichte der Glashütte auch in der zukünftigen Nutzung des Areals weiter sichtbar bleiben.

Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf: Glasmacherviertel

Mein Besuch 2010

Als ich die ehemalige Gerresheimer Glashütte im Jahr 2010 fotografiert habe, war die Produktion bereits seit mehreren Jahren beendet. Trotzdem wirkte das Gelände noch immer so, als hätte der Betrieb gerade erst aufgehört.

Mich haben vor allem die vielen kleinen Details beeindruckt: ein altes Telefon auf einem Schreibtisch, technische Unterlagen, vergessene Flaschen und die teilweise noch vollständigen Schaltanlagen. Zusammen mit den großen Hallen und den schweren Maschinen entstand der Eindruck einer verlassenen Arbeitswelt, in der die Zeit plötzlich stehen geblieben war.

Die Gerresheimer Glashütte bleibt für mich ein außergewöhnlicher Lost Place, weil sich hier nicht nur der Verfall einer Fabrik beobachten ließ, sondern auch die Geschichte eines ganzen Stadtteils.

Atmosphere / Atmosphäre
31%
Risk / Gefahr
5%
Vandalism / Vandalismus
10%
Decay / Verfall
47%

Germany, visited in 2010

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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