Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Französische Botschaft Bonn: Verlassene Diplomatie in Bad Godesberg

Die ehemalige Französische Botschaft in Bonn gehörte zu den markanten diplomatischen Orten der Bonner Republik. Zwischen 1955 und 1999 arbeiteten hier französische Diplomaten im Stadtbezirk Bad Godesberg. Mein Besuch im Jahr 2010 zeigt den Gebäudekomplex noch in seinem verlassenen Zustand, wenige Jahre vor dem Abriss.

Quellen: Botschaft der Französischen Republik in Bonn | Weg der Demokratie: Französische Botschaft

Von der französischen Hochkommission zur Botschaft

Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 unterhielt Frankreich zunächst eine Hochkommission am Regierungssitz Bonn. Ihr erster Sitz befand sich im Rheinhotel Dreesen in Bad Godesberg. Bereits 1950 entstand auf dem Grundstück ein erstes Bürogebäude nach einem Entwurf des Frankfurter Architekten Johannes Krahn.

1952 wurde der Komplex um ein weiteres Bürogebäude erweitert. Mit dem Inkrafttreten der Pariser Verträge im Jahr 1955 wurde aus der französischen Hochkommission die reguläre Botschaft der Französischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland. Die Residenz des Botschafters befand sich im Schloss Ernich bei Remagen.

Zum französischen Standort in Bad Godesberg gehörte außerdem das 1951 errichtete Gästehaus Cercle Français. Dort befanden sich unter anderem ein Hotel und ein öffentliches Restaurant. Das Gästehaus wurde bereits 2006 für eine neue Wohnbebauung abgerissen.

Quellen: Botschaft der Französischen Republik in Bonn | Weg der Demokratie: Französische Botschaft

Architektur am Rhein

Die Kanzlei bestand aus zwei drei bis viergeschossigen Stahlskelettbauten. Die Fassaden waren mit hellem Travertin verkleidet. Ein verglaster Verbindungsgang verband die beiden Gebäudeteile miteinander und passte sich der Hanglage des Grundstücks an.

Zu den auffälligen Details gehörten verglaste Treppenhäuser, Brüstungs- und Balkongitter aus eloxiertem Aluminium sowie Fenster mit schmalen Stahlprofilen. Die Architektur wirkte funktional und sachlich, besaß durch die helle Fassadengestaltung und die offenen Verbindungselemente jedoch eine auffällige Leichtigkeit.

Quellen: Architektur und Gebäudebeschreibung der ehemaligen Französischen Botschaft

Leerstand und Abriss

Mit der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin zog die französische Botschaft 1999 ebenfalls in die Hauptstadt um. Die Gebäude in Bonn standen anschließend leer. Im Jahr 2005 wechselte das Grundstück in den Besitz privater Investoren.

Der Denkmalstatus der ehemaligen Botschaftsgebäude wurde 2006 aufgehoben. Nach mehreren Planänderungen war eine neue Wohnbebauung mit mehreren Stadtvillen vorgesehen. Die Entkernung begann 2011. Der vollständige Abbruch wird in den recherchierten Darstellungen mit 2011 beziehungsweise Anfang 2012 angegeben.

Heute erinnert an dieser Stelle kein Botschaftsgebäude mehr an die französische Präsenz. Auf dem ehemaligen Gelände entstand das Wohnensemble Rhein Entrée.

Quellen: Geschichte und Abriss der ehemaligen Französischen Botschaft | Weg der Demokratie: Französische Botschaft | Kölner Stadt Anzeiger: Aus der Botschaft wird ein Gästehaus

Diplomatische Spuren im Inneren

Im verlassenen Gebäude blieben zahlreiche Hinweise auf die frühere Nutzung zurück. Türschilder des Service culturel, französische Broschüren, Berichte und Sitzungsunterlagen erzählen von einem Verwaltungsapparat, der einst eng mit der französischen Außenpolitik verbunden war.

Zwischen den zurückgelassenen Unterlagen finden sich Hinweise auf kulturelle Arbeit, Sprachförderung und diplomatische Kommunikation. Ein Plakat des Institut français in Deutschland warb für das Erlernen der französischen Sprache. Französische Telefonverzeichnisse, Schlüssel, Aktenstapel und alte technische Geräte vermitteln den Eindruck eines abrupt verlassenen Arbeitsortes.

Zurückgelassene Technik und verfallende Räume

Die Innenräume waren beim Besuch bereits stark vom Verfall geprägt. In den Fluren lagen Kabel und verstreute Bauteile. Staub bedeckte Teppiche, Dokumente und Bücher. Ein alter Panasonic Videomonitor mit Steuerpult und bunten Tasten erinnerte an die technische Ausstattung der früheren Büros.

Besonders eindrucksvoll waren die Treppenhäuser und der überdachte Verbindungsgang zwischen den Gebäudeteilen. Glasflächen, Metallgeländer, Betonstufen und Graffiti bildeten einen starken Gegensatz zur einst kontrollierten und repräsentativen Nutzung des Hauses.

Ein Ort der deutsch französischen Nachkriegsgeschichte

Die ehemalige Französische Botschaft war mehr als ein gewöhnliches Bürogebäude. Ihre Geschichte war unmittelbar mit dem politischen Neubeginn der Bundesrepublik verbunden. Von Bonn aus wurde die Entwicklung der deutsch französischen Beziehungen über Jahrzehnte begleitet.

Die französische Hochkommission und später die Botschaft standen außerdem in Verbindung mit dem Rheinhotel Dreesen. Die deutsch französische Annäherung führte schließlich zu den Staatsbesuchen von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle im Jahr 1962 sowie zum Élysée Vertrag von 1963.

Der spätere Leerstand und der Abriss machten den Ort zu einem besonderen Zeugnis der verschwundenen Bonner Diplomatenlandschaft.

Quellen: Weg der Demokratie: Französische Botschaft | KuLaDig: Auslandsvertretungen im Bonner Regierungsviertel

Mein Besuch 2010

Mein Besuch im Jahr 2010 führte durch einen bereits verlassenen, aber noch vollständig erhaltenen Botschaftskomplex. Zwischen bewachsenen Fassaden, langen Fluren, verlassenen Büros und zurückgelassenen Dokumenten war die frühere diplomatische Nutzung noch deutlich spürbar.

Die Aufnahmen zeigen die Französische Botschaft in ihrer letzten Phase vor dem Abriss. Bücher, Akten, Schlüssel, technische Geräte und französische Beschriftungen bewahrten noch zahlreiche Spuren des ehemaligen Arbeitsalltags.

Atmosphere / Atmosphäre
22%
Risk / Gefahr
0%
Vandalism / Vandalismus
48%
Decay / Verfall
19%

Germany, visited in 2012

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Renovated 2013

lost-places.com - Menu
Right Menu Icon