Die Chernelytsia Castle ist eine verlassene Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert in der westukrainischen Region Iwano-Frankiwsk. Von der einst mächtigen Befestigung sind heute vor allem die hohen Außenmauern, Teile der Bastionen und der reich verzierte Torturm erhalten.
Zwischen eingestürzten Gewölben, offenen Fensterhöhlen und dichtem Pflanzenbewuchs lässt sich noch erkennen, welche Bedeutung die Anlage einst besaß. Besonders eindrucksvoll ist das monumentale Eingangsportal mit seinen Wappenreliefs und steinernen Verzierungen.
Die Errichtung der Burg begann bereits in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Vollendet wurde die Anlage im Jahr 1659 durch Michał Jerzy Czartoryski, den damaligen Woiwoden von Bracław. Die Festung sollte einen strategisch wichtigen Bereich an der südöstlichen Grenze der polnisch-litauischen Adelsrepublik sichern.
Chernelytsia Castle verband eine militärische Befestigung mit einer herrschaftlichen Residenz. Dieser Bautyp wird auch als Palazzo in Fortezza bezeichnet. Innerhalb der geschützten Mauern befand sich ein Palast, von dem heute allerdings nur noch wenige Fundamente erhalten sind.
Quellen: Tourismusportal der Region Iwano-Frankiwsk: Chernelytsia Castle | Große Ukrainische Enzyklopädie: Chernelytsia Castle
Die Festung besaß einen annähernd quadratischen Grundriss und wurde durch vier spitz vorspringende Bastionen geschützt. Das gesamte Areal umfasste ungefähr 2,5 Hektar. Die Wehrmauern erreichten stellenweise eine Höhe von etwa sechs Metern und waren bis zu 2,5 Meter stark.
Der am besten erhaltene Teil ist der zweigeschossige Torturm. Über seiner Durchfahrt befinden sich aufwendig gearbeitete Wappen, Säulenelemente und steinerne Ornamente. Auch im Inneren sind noch massive Tonnengewölbe, Mauernischen und einzelne verzierte Türrahmen vorhanden.
Andere Bereiche sind stark eingestürzt. Bäume und Sträucher wachsen durch das Mauerwerk, während Wurzeln zwischen den Steinen verlaufen. Dadurch wird der fortschreitende Verfall der Anlage besonders sichtbar.
Quelle: Tourismusportal der Region Iwano-Frankiwsk: Architektur der Festung
Während des polnisch-osmanischen Krieges wurde die Chernelytsia Castle in den Jahren 1672 und 1676 erobert und schwer beschädigt. Anschließend wurde die Anlage wieder aufgebaut. Während der Moldaufeldzüge von König Johann III. Sobieski diente sie als Lager für Lebensmittel und Tierfutter. Auch der König selbst soll sich mehrfach dort aufgehalten haben.
Nach dem Großen Nordischen Krieg verlor die Festung zunehmend ihre militärische Bedeutung. Im 19. Jahrhundert setzte ein stärkerer Verfall ein. Ein Brand beschädigte die Anlage 1904 erheblich. Weitere Zerstörungen folgten während des Ersten Weltkriegs.
In der Zwischenkriegszeit wurden Teile des Torturms und eines angrenzenden Gebäudeflügels gesichert. Die erneuerten Dächer gingen jedoch während des Zweiten Weltkriegs erneut verloren. Seit 1963 gilt die Ruine als Architekturdenkmal von nationaler Bedeutung.
Quellen: Tourismusportal der Region Iwano-Frankiwsk: Geschichte der Burg | Gemeinde Chernelytsia: Geschichte der Festungsanlage
Ein Teil meiner Bildserie dokumentiert außerdem den alten jüdischen Friedhof von Chernelytsia. Zwischen Gras, Büschen und umgestürzten Steinen lagen dort mehrere stark verwitterte Mazewot. Auf einigen Grabsteinen waren noch hebräische Inschriften und fein ausgearbeitete Ornamente zu erkennen.
Der genaue Entstehungszeitpunkt des Friedhofs ist nicht bekannt. Er erscheint erstmals auf einer österreichischen Militärkarte aus den 1770er- oder 1780er-Jahren. Bei einer späteren Erfassung wurden noch ungefähr 30 Grabsteine dokumentiert. Viele davon waren nur schwer lesbar oder teilweise im Boden versunken.
Quellen: ESJF: Old Jewish Cemetery Chernelytsia | Center for Jewish Art: Jüdischer Friedhof Chernelytsia
Ich besuchte die Chernelytsia Castle im Jahr 2015. Schon der erste Blick auf den beschädigten Torturm zeigte, wie viel von der einstigen Festung verloren gegangen war. Gleichzeitig wirkten die erhaltenen Wappenreliefs und Steinverzierungen noch immer außergewöhnlich eindrucksvoll.
Hinter dem Portal gelangte ich in dunkle Gewölbe und offene Räume, deren Decken teilweise eingestürzt waren. Licht fiel durch große Maueröffnungen, während Bäume und Wurzeln die verbliebenen Gebäudeteile langsam zurückeroberten. Besonders auffällig war der Kontrast zwischen der massiven Bauweise und dem weit fortgeschrittenen Verfall.
Während meines Aufenthalts fotografierte ich auch die verwitterten jüdischen Grabsteine von Chernelytsia. Ihre hebräischen Inschriften, Symbole und zerbrochenen Oberflächen erzählten von einem weiteren Teil der Geschichte des Ortes. Meine Aufnahmen halten den Zustand der Festungsruine und des Friedhofs fest, wie ich ihn 2015 vorgefunden habe.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.