Der Bunker Tarenca in Moldau ist unter seiner sowjetischen Bezeichnung Objekt 1180 bekannt. Tief in einem Wald sollte hier ein gewaltiger unterirdischer Kommandoposten für den Fall eines Atomkriegs entstehen. Zwei zylindrische Baukörper reichen rund 60 Meter in die Erde. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Arbeiten eingestellt und die nahezu fertige Anlage aufgegeben.
Der Bau des sowjetischen Bunkers begann Mitte der 1980er-Jahre. Die Anlage entstand als geheimes militärisches Objekt und war auf gewöhnlichen Karten nicht verzeichnet. Auch die Zufahrtsstraße und der umliegende Wald waren während der Sowjetzeit für die Bevölkerung gesperrt.
Objekt 1180 sollte als Reservekommandoposten für den Generalstab der südwestlichen Streitkräfte des Warschauer Pakts dienen. Falls reguläre militärische Führungszentren zerstört worden wären, hätte die Kommandostruktur von hier aus weiterarbeiten können.
Quelle: Moldpres – Der sowjetische Bunker von Olișcani
Während des Kalten Kriegs errichtete die Sowjetunion geschützte Ausweichstellen für ihre militärische Führung. Diese Anlagen sollten auch nach einem Angriff die Kommunikation zwischen Regierung, Generalstab und Streitkräften ermöglichen.
Objekt 1180 war deshalb nicht als Lager für Atomwaffen vorgesehen. Seine Aufgabe bestand darin, Menschen, Kommunikationstechnik und militärische Führungsstrukturen gegen die Auswirkungen eines nuklearen Angriffs zu schützen.
Ähnliche Kommandobunker entstanden oder waren in anderen Teilen der Sowjetunion geplant. Eine vergleichbare Anlage mit der Bezeichnung Objekt 1161 befand sich in Belarus.
Quelle: One Man, One Map – Soviet Nuclear Bunker Object 1180
Das Zentrum der Anlage besteht aus zwei nahezu identischen zylindrischen Baukörpern aus Stahl und Beton. Jeder Zylinder besitzt einen Durchmesser von etwa 36 Metern und reicht ungefähr 60 Meter tief in den Boden.
Im Inneren waren zwölf unterirdische Ebenen vorgesehen. Tunnel verbanden die beiden Zylinder miteinander und führten zu weiteren Einrichtungen auf dem Gelände. Einer der Blöcke sollte den eigentlichen Kommandoposten aufnehmen. Der zweite war für Technik, Versorgung und Lebenserhaltung vorgesehen.
Die einzelnen Stockwerke bestanden aus großen Stahlkammern, Korridoren und abtrennbaren Bereichen. Versorgungsschächte sollten Strom, Wasser, Luft und Kommunikation durch das gesamte Bauwerk führen.
Quellen: Moldpres – Aufbau von Objekt 1180 | Urbex Tour – Underground Reserve Command Post
Im Ernstfall sollte der Bunker für eine begrenzte Zeit unabhängig von der Oberfläche funktionieren. Geplant waren neben den Kommando- und Kommunikationsräumen auch Aufenthaltsbereiche, Schlafräume, eine Küche, ein Speisesaal und medizinische Einrichtungen.
Massive Betondecken und die tief im Boden liegenden Stahlzylinder sollten gegen Druckwellen und radioaktive Strahlung schützen. Einzelne Ebenen hätten sich durch hermetische Türen voneinander abtrennen lassen.
Die beiden großen Zylinder waren innerhalb ihrer Betonschächte beweglich gelagert. Dadurch sollten Erschütterungen abgefangen werden, ähnlich wie bei einem erdbebensicher konstruierten Gebäude.
Quelle: One Man, One Map – Konstruktion und geplante Versorgung
Für den Bau wurden nach Angaben von Moldpres rund 32 Millionen sowjetische Rubel ausgegeben. Dennoch nahm Objekt 1180 seinen vorgesehenen Betrieb nie auf.
Als sich der Zerfall der Sowjetunion abzeichnete, wurden die Arbeiten eingestellt. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1991 blieb die unvollendete Militäranlage zurück.
Ein großer Teil der technischen Ausrüstung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht installiert. Zurück blieben die Stahlzylinder, Tunnel, Betonbauten und Überreste der oberirdischen Militärbasis.
Quelle: Moldpres – Aufgabe der Anlage nach dem Zerfall der Sowjetunion
Nach der Aufgabe der Basis wurden verwertbare Materialien und technische Bauteile entfernt. Treppen, Kabel, Metallkonstruktionen und andere Einrichtungen verschwanden teilweise aus dem Bunker.
Ohne aktive Entwässerung drang Grundwasser in die unteren Ebenen ein. Große Teile des Tunnelnetzes und mehrere Stockwerke stehen inzwischen unter Wasser. An den Stahlwänden breitet sich Rost aus, während Betonbrocken und zerstörte Treppen die Schächte zusätzlich gefährlich machen.
Die enorme Tiefe, offene Absturzkanten und eingestürzte Verbindungen machen Objekt 1180 zu einem der gefährlichsten Orte in meinem Archiv. Von außen lässt sich kaum erahnen, wie weit sich die Konstruktion unter der Erde fortsetzt.
Quellen: Urbex Tour – Zustand der unterirdischen Ebenen | One Man, One Map – Überflutung und Verfall
Ich besuchte den Bunker Tarenca im Jahr 2016. Bereits der Blick in einen der zylindrischen Schächte vermittelte die gewaltigen Dimensionen der Anlage. Unter mir verschwanden Stahlwände, beschädigte Ebenen und Treppenreste in der Dunkelheit.
Im Inneren dominierten rostbraune Metallflächen, schmale Durchgänge und schwere Rahmen, in die später hermetische Türen eingebaut werden sollten. Zwischen Betontrümmern und technischen Öffnungen wuchsen bereits erste Pflanzen.
Besonders eindrucksvoll war die fast surreale Konstruktion aus übereinanderliegenden Ebenen. Meine Fotografien zeigen nicht nur einen verlassenen Bunker, sondern ein niemals fertiggestelltes Bauwerk für einen Krieg, der glücklicherweise nicht stattgefunden hat.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
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