Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

Historischer Autofriedhof Gürbetal in Kaufdorf

Der historische Autofriedhof Gürbetal in Kaufdorf gehörte zu den außergewöhnlichsten automobilen Lost Places Europas. Zwischen Bäumen, Sträuchern und Moos standen mehr als 1.000 Autowracks und rund 400 Motorräder aus mehreren Jahrzehnten.

Das Gelände gehörte zum Autoverwertungsbetrieb der Familie Messerli im Schweizer Kanton Bern. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Schrottplätzen wurden viele Fahrzeuge über Jahrzehnte nicht vollständig zerlegt. Dadurch entstand eine einzigartige Ansammlung historischer Karosserien, die langsam von der Natur überwachsen wurden.

Die Geschichte des Autofriedhofs Gürbetal

Der gelernte Zimmermann Walter Messerli begann 1933 mit dem Handel gebrauchter Fahrzeugteile. Er kaufte ausgediente Automobile, entfernte noch verwendbare Komponenten und stellte die verbleibenden Karosserien auf dem Grundstück seiner Eltern ab.

Im Laufe der Jahrzehnte wuchs die Sammlung immer weiter. Nachdem sein Sohn Franz Messerli den Betrieb 1975 übernommen hatte, kamen zusätzliche Fahrzeuge hinzu. Auf dem Gelände standen schließlich Modelle aus den 1930er bis 1970er Jahren.

Quelle: Historischer Autofriedhof Gürbetal: Geschichte und Entwicklung

Mehr als ein gewöhnlicher Schrottplatz

Franz Messerli betrachtete die Fahrzeuge als zusammengehörige Sammlung. Deshalb lehnte er den Verkauf einzelner Wracks und Ersatzteile lange Zeit ab. Der Öffentlichkeit war der Zutritt normalerweise nicht gestattet.

Diese Abschirmung bewahrte viele Fahrzeuge vor Plünderungen und mutwilliger Zerstörung. Ihr Zustand wurde vor allem durch Feuchtigkeit, Rost und die wachsende Vegetation geprägt. Bäume und Sträucher umschlossen die Karosserien, während Moos die Innenräume und Motorhauben überzog.

Dadurch verwandelte sich der Betrieb mit der Zeit in ein unbeabsichtigtes Freilichtarchiv der Automobilgeschichte. Zwischen den Fahrzeugen fanden sich bekannte Alltagsmodelle ebenso wie seltene Oldtimer.

Kunstausstellung zwischen den Autowracks

Im Jahr 2008 veranstaltete der Kunstverein Gürbetal auf dem Gelände eine nationale Kunstausstellung. Für die Besucher wurden Laufstege zwischen und über den dicht stehenden Fahrzeugen errichtet. Kunstinstallationen ergänzten die bereits ungewöhnliche Szenerie des Autofriedhofs.

Mehr als 30.000 Menschen besuchten die Ausstellung. Dadurch wurde der Autofriedhof in Kaufdorf weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannt. Gleichzeitig verstärkte die öffentliche Aufmerksamkeit die Diskussion über die Zukunft des Geländes.

Quelle: Nationale Kunstausstellung auf dem Autofriedhof Gürbetal

Der Streit um den Erhalt

Der historisch gewachsene Betrieb erfüllte schließlich nicht mehr die geltenden Umweltvorschriften. Die Behörden verlangten deshalb die Räumung der Fahrzeuge und eine Sanierung des Grundstücks.

Oldtimerfreunde und Unterstützer wollten die Sammlung als Museum oder kulturellen Erinnerungsort erhalten. Die Finanzierung und die erforderlichen Umweltauflagen konnten jedoch nicht dauerhaft geklärt werden. Nach langen juristischen Auseinandersetzungen wurde die Räumung endgültig angeordnet.

Die Versteigerung und Räumung

Am 19. September 2009 wurden die Fahrzeuge einzeln und ohne Mindestgebot versteigert. Rund zwei Drittel der angebotenen Wracks fanden neue Besitzer. Die übrigen Fahrzeuge wurden anschließend entsorgt.

Der Abtransport verzögerte sich durch den schneereichen Winter. Im Mai 2010 war das Gelände schließlich vollständig geräumt. Damit verschwand einer der bekanntesten Autofriedhöfe Europas. Das mit Altlasten belastete Areal wurde später saniert.

Quellen: Oldtimer Markt: Autofriedhof Kaufdorf | HE-Arc: Referenzsammlung historischer Fahrzeuge aus Kaufdorf

Mein Besuch 2009

Ich besuchte den Autofriedhof Gürbetal im Jahr 2009, kurz bevor die historische Sammlung endgültig aufgelöst wurde. Gegen ein kleines Entgelt erhielt ich vom Besitzer die Erlaubnis, das Gelände zu betreten und fotografisch zu dokumentieren.

Zwischen den dicht stehenden Fahrzeugen entstand eine Atmosphäre, die sich kaum mit einem gewöhnlichen Schrottplatz vergleichen ließ. Verrostete Kühlergrills ragten aus dem Gebüsch, Pflanzen wuchsen durch geöffnete Fenster und zahlreiche Karosserien waren bereits tief in der Vegetation versunken.

Mir war bei meinem Besuch bewusst, dass dieser Ort kurz vor seinem Ende stand. Meine Fotografien bewahren deshalb nicht nur einzelne Oldtimer, sondern den letzten Zustand einer Sammlung, die wenige Monate später nicht mehr existierte.

Atmosphere / Atmosphäre
49%
Risk / Gefahr
4%
Vandalism / Vandalismus
12%
Decay / Verfall
52%

Switzerland, visited in 2009

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

Demolished 2010

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