Hoch über dem Rhein, auf dem Victoriaberg bei Remagen, steht die Ruine des ehemaligen Hotel-Restaurants Waldburg. Wo einst Ausflugsgesellschaften feierten, Familien Kaffee tranken und Gäste den Blick über das Rheintal genossen, wachsen heute Bäume durch die alten Gebäudeteile.
Die Waldburg war über Jahrzehnte ein beliebtes Ausflugsziel. Heute erinnern nur noch überwachsene Mauern, zerstörte Räume und die Reste der einstigen Anlage an ihre bewegte Vergangenheit.
Der heutige Victoriaberg wurde früher als „Koppen“ bezeichnet. Der 187 Meter hohe Aussichtspunkt oberhalb von Remagen bot einen weiten Blick über den Rhein bis zum Siebengebirge und zum Drachenfels.
Im Zuge der aufkommenden Rheinromantik entwickelte sich der Ort zu einem beliebten Ziel für Spaziergänger und Reisende. Der örtliche Localverschönerungsverein legte Wege an, stellte Ruhebänke auf und machte die Aussicht für Besucher zugänglich. Zunächst entstand auf dem Gelände ein Pavillon mit einer großen Terrasse.
Quellen: AW-Wiki: Hotel „Zur Waldburg“ Remagen | Rheinland-Reporter: Waldburg in Remagen
Als die Zahl der Besucher stetig zunahm, entschloss sich der Verein im Jahr 1898 zum Bau eines größeren Hotel- und Restaurantgebäudes. Nach den Plänen eines Kölner Architekten entstand ein repräsentatives Ausflugslokal. Die Baukosten beliefen sich auf rund 28.335 Mark.
Am 6. Januar 1900 wurde die Waldburg schließlich durch die Witwe Fletscher eröffnet. Das neue Hotel-Restaurant entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt. Bereits 1905 wurden ein Küchenanbau und ein Toilettengebäude errichtet. 1908 folgte eine Waschküche, 1914 eine neue Kochanlage mit Wärmeschrank.
Quellen: AW-Wiki: Chronik der Waldburg | Rheinland-Reporter: Die Eröffnung der Waldburg
Im Jahr 1936 wurde die Waldburg an ein Gastronomenpaar verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Anwesen eine Modernisierung. Das Hotel verfügte über 17 Zimmer. Zusätzlich entstand in einem Nebentrakt eine Doppel-Kegelbahn.
Westlich des Hauptgebäudes wurde außerdem eine große Halle aus Holz errichtet. Sie bot Platz für bis zu 1.000 Personen und wurde besonders in den 1950er-Jahren für Betriebsausflüge genutzt. Musik, Tanz, Spiele und gelegentliche Feuerwerke machten die Waldburg zu einem wichtigen Veranstaltungsort der Region.
Anfang der 1960er-Jahre wurde die große Halle abgebaut und für 20.000 D-Mark nach Niederbreisig verkauft. Dort wurde sie wieder aufgebaut und ist heute als Jahnhalle bekannt. Auf dem Victoriaberg entstand später eine kleinere Halle, die zeitweise vom Remagener Tennisclub genutzt wurde.
Quellen: AW-Wiki: Hotel und Festhalle | Rheinland-Reporter: Die Waldburg als Ausflugslokal
Mit der zunehmenden Verbreitung von Autos und Flugreisen veränderte sich das Freizeitverhalten der Menschen. Viele Gäste verbrachten ihre Urlaube nun weiter entfernt, während klassische Ausflugsziele am Rhein an Bedeutung verloren.
Nach genau 70 Jahren wurde der Hotel- und Restaurantbetrieb im Jahr 1970 eingestellt. Im Januar 1974 kehrte noch einmal kurz Leben in die Waldburg zurück. Rund 700 Karnevalisten feierten dort eine letzte große Veranstaltung.
Weitere Nutzungsideen scheiterten. Geplant waren unter anderem ein Seniorenheim und in den 1990er-Jahren eine Neurodermitis-Klinik. Die Projekte konnten jedoch aus Genehmigungs- und Finanzierungsgründen nicht umgesetzt werden.
Quellen: AW-Wiki: Das Ende der Waldburg | Rheinland-Reporter: Das Ende des Ausflugslokals
Seit der Schließung blieb das ehemalige Hotel-Restaurant weitgehend ungenutzt. Dächer stürzten ein, Fenster zerbrachen und Pflanzen eroberten die alten Räume zurück. Efeu wuchs über die Mauern, während sich Bäume und Sträucher innerhalb der Gebäudereste ausbreiteten.
Im Jahr 2009 wurde die Waldburg aus der Denkmalliste entfernt. Bei einer Zwangsversteigerung im Januar 2023 wurde der Verkehrswert des stark verfallenen Anwesens mit lediglich zwei Euro angegeben. Das Gelände wechselte schließlich für 210.000 Euro den Besitzer.
Die Ruine zeigt heute eindrucksvoll, wie schnell ein einst bedeutendes Ausflugsziel aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwinden kann. Zwischen Mauerresten, Pflanzen und eingestürzten Gebäudeteilen ist die frühere Bedeutung der Waldburg nur noch schwer vorstellbar.
Quellen: AW-Wiki: Zustand und Zwangsversteigerung | Rhein-Zeitung: Die Waldburg war einst die „edelste Perle am Rhein“
Nach den zuletzt veröffentlichten Berichten gibt es Pläne, die Waldburg nach historischem Vorbild wieder aufzubauen. Vorgesehen sind unter anderem ein kleines Hotel mit 17 Zimmern sowie eine Gastronomie mit rund 240 Sitzplätzen.
Zusätzlich waren eine Markthalle und eine Veranstaltungsfläche im Gespräch. Das Vorhaben stieß bei Teilen der Bevölkerung auf Kritik. Die entsprechenden Verfahren waren zuletzt noch nicht abgeschlossen. Eine Wiedereröffnung gibt es bislang nicht.
Quellen: Rhein-Zeitung: Verfahren zum Wiederaufbau der Waldburg beginnt | Rhein-Zeitung: Pläne für ein neues Ausflugsziel
Ich habe die Waldburg im Jahr 2010 besucht. Schon damals war deutlich zu erkennen, dass sich die Natur große Teile des ehemaligen Ausflugslokals zurückgeholt hatte. Verwitterte Mauern, offene Fenster und überwachsene Gebäudeteile erzählten von einer langen Zeit des Leerstands.
Besonders eindrucksvoll war der Gegensatz zwischen der früheren Bedeutung des Ortes und seinem damaligen Zustand. Wo einst Gäste saßen, gegessen, getanzt und gefeiert hatten, herrschten nun Stille, Verfall und das stetige Wachstum der Pflanzen.
Die Waldburg gehört für mich zu den Lost Places, bei denen die Geschichte nicht nur in alten Mauern, sondern auch in der außergewöhnlichen Lage spürbar bleibt. Der Blick über das Rheintal macht verständlich, warum dieser Ort früher ein so beliebtes Ausflugsziel war.
Hinweis zur Besichtigung: Das Gelände ist nicht offiziell für Besucher geöffnet. Die Gebäudereste sind teilweise einsturzgefährdet. Aus Gründen des Eigentums- und Personenschutzes veröffentliche ich keine genaue Standortangabe.
Da dieser Ort nicht offiziell zu besichtigen ist, darf ich keinen genauen Standort im Internet veröffentlichen. Ich bitte um Verständnis.
This place is not officially open for visitors, I am not allowed to publish the exact coordinates or give out any information. I ask for your understanding.
Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.