Lost Places Bilderarchiv –  außergewöhnliche und verlassene Orte weltweit

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Aalschokker am Silbersee

Zwischen Neuss und Dormagen liegt ein außergewöhnliches Relikt der früheren Rheinfischerei: der Aalschokker am Silbersee. Bei normalem Wasserstand bleibt das alte Fischerboot fast vollständig im Rhein verborgen. Erst wenn der Pegel stark sinkt, tritt das rostende Wrack aus dem Wasser hervor und erinnert an ein gestrandetes Geisterschiff.

Der Aalschokker soll früher den Namen „Conny“ getragen haben. Jahrzehntelang war das Schiff ein Arbeitsgerät für den Aalfang, heute ist es eines der ungewöhnlichsten Schiffswracks am Niederrhein.

Quellen: WDR – Versunkener Aalschokker bei Neuss · Geschichtsverein Dormagen

Was ist ein Aalschokker?

Ein Aalschokker ist ein speziell für den Aalfang ausgerüstetes Fischereifahrzeug. Der Schiffstyp entwickelte sich ursprünglich in den Niederlanden und wurde später auch auf dem Rhein eingesetzt. Anders als ein gewöhnliches Fischerboot diente der Schokker hauptsächlich als schwimmende Fangstation.

Für den Fang wurde das Schiff in der Strömung verankert. Über Winden, Seile und einen ausschwenkbaren Schokkerbaum ließen die Fischer ein großes Netz seitlich ins Wasser. Gefischt wurde vor allem nachts, wenn die Aale auf ihrer Wanderung stromabwärts in Richtung Meer unterwegs waren.

Die Arbeit war körperlich anstrengend und stark von Strömung, Jahreszeit und Wasserstand abhängig. Aalschokker gehörten früher an mehreren Orten zwischen Neuss, Dormagen und Monheim zum vertrauten Bild des Rheins.

Quellen: Aalfischerei-Museum Monheim · Stadt Monheim – Geschichte des Aalschokkers

Die Geschichte des Wracks am Silbersee

Das genaue Baujahr der „Conny“ ist nicht zweifelsfrei dokumentiert. In regionalen Berichten wird häufig ein Baujahr um 1906 genannt. Das Schiff soll bis in die 1990er-Jahre im Bereich Grimlinghausen, Silbersee und Rhein für die Fischerei verwendet worden sein.

Warum der Aalschokker schließlich an der Einmündung des Silbersees sank, ist bis heute ungeklärt. Nach seinem Untergang blieb das Schiff größtenteils unter der Wasseroberfläche. Im Sommer 2003 wurde es bei extremem Niedrigwasser erstmals wieder nahezu vollständig sichtbar. Weitere deutliche Sichtungen folgten unter anderem 2018, 2022 und 2026.

Versuche, das Wrack zu bergen und als technisches Denkmal zu erhalten, blieben erfolglos. Heute liegt der Aalschokker weiterhin an seiner alten Stelle und verfällt mit jedem Wechsel zwischen Wasser, Schlamm und Luft ein wenig mehr.

Quellen: Geschichtsverein Dormagen – Das Geisterschiff am Silbersee · WDR Lokalzeit, Stand Juli 2026

Das dunkle Kapitel der „Conny“

Mit dem letzten Eigentümer des Schiffes verbindet sich eine tragische Geschichte. Nach übereinstimmenden Medien- und Lokalberichten gehörte er zu den letzten aktiven Aalfischern auf dem Rhein. Später wurde er wegen eines versuchten Tötungsdelikts im Zusammenhang mit einem Beziehungsdrama verurteilt.

Nach seiner Haft soll der Fischer versucht haben, Geld für die Bergung seines inzwischen gesunkenen Schiffes zu sammeln. Das Vorhaben scheiterte. Anschließend verlor sich seine Spur. Da keine vollständig dokumentierte öffentliche Biografie existiert, sollten Einzelheiten dieser Geschichte als medial und lokal überlieferte Darstellung verstanden werden.

Quellen: WDR – Eifersucht und Untergang · Geschichtsverein Dormagen – Überlieferung zum Eigentümer

Der Aalschokker im Jahr 2026

Im Juli 2026 gab der niedrige Rheinpegel das Wrack erneut frei. Von einer Bergung ist weiterhin nicht auszugehen. Nach Angaben des WDR liegt das Schiff abseits der Rheinmitte und ist gesichert, sodass es keine Gefahr für die vorbeifahrende Schifffahrt darstellt.

Das Wrack darf dennoch nicht betreten werden. Schlamm, Strömung, plötzlich steigendes Wasser und stark korrodierte Bauteile machen eine Annäherung gefährlich. Außerdem kann der Aalschokker schon nach einer Veränderung des Rheinpegels wieder weitgehend unter Wasser verschwinden.

Quelle: WDR – Aktueller Zustand und Sicherung des Wracks, Juli 2026

Mein Besuch im Jahr 2022

Als ich den Aalschokker am Silbersee 2022 fotografierte, hatte das Niedrigwasser große Teile des Schiffes freigelegt. Die verrosteten Aufbauten, alten Winden und schlammüberzogenen Metallflächen ließen noch erkennen, wie massiv dieses ehemalige Arbeitsboot einmal gewesen sein muss.

Besonders eindrucksvoll war der Kontrast zwischen dem stillen Wrack und dem ständig vorbeiziehenden Verkehr auf dem Rhein. Während moderne Frachtschiffe ihre Route fortsetzten, lag die „Conny“ unbeweglich im Uferschlamm – als letzter sichtbarer Rest einer fast verschwundenen Fischereikultur.

Weitere verlassene Orte findest du in meinem Archiv über Lost Places in Deutschland. Eine weitere maritime Industrieanlage zeigt meine Dokumentation der verlassenen Schiffswerft Dunk.

Atmosphere / Atmosphäre
18%
Risk / Gefahr
6%
Vandalism / Vandalismus
4%
Decay / Verfall
86%

Germany, visited in 2022

Falls Ihnen ein Foto ganz besonders gut gefällt und Sie einen Kunstdruck dessen erwerben möchten, können Sie dies im Lost Places Shop tun. Falls Sie Interesse an Fotografien für eine Dokumentation oder sonstige mediale Verwendung haben, schreiben Sie mir direkt eine E-Mail an info@lost-places.com.

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